US-Kultmusiker : „Bad Liver and a Broken Voice“: Tom Waits wird 65

Tom Waits brüllt auf seiner Tour 2004 in ein Megaphon.
Tom Waits brüllt auf seiner Tour 2004 in ein Megaphon.

Ob als Clown, Ganove oder als romantischer Barde: Tom Waits wirkte schon vor 25 Jahren älter, als er heute in Wirklichkeit ist. Doch das Leben hat scheinbar auf Waits gewartet: Der gefühlt 100-Jährige wird erst 65.

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01. Dezember 2014, 16:21 Uhr

Sonoma County | „I'd rather have a free bottle in front of me than a prefrontal lobotomy“ lautet sein wohl berühmtestes Zitat, das auf Deutsch so viel bedeutet wie: „Lieber habe ich eine bezahlte (Alkohol-)Flasche vor mir als eine präfrontale Stirnhirnausschaltung.“ Der Alkohol war ein jahrelanger Begleiter der Karriere des Tom Waits. Seine Reibeisenstimme kann das bis heute nicht leugnen – schon gar nicht, wenn sie singt.

Mit seinem rauen, rauchigen, immer wieder brechenden Organ lässt sich Tom Waits nicht in ein einziges Genre sperren. Irgendwo zwischen Rock und Folk wird er notdürftig eingeordnet, Blues- und Jazzelemente tauchen auf, manchmal wird seine Musik auch als Indie oder Alternative bezeichnet. Er ist nicht nur Sänger und Komponist, er ist auch Autor und Schauspieler. Als sich stetig wandelnder, mal Vorbildern wie Bob Dylan oder Johnny Cash nacheifernder Sänger, mal als innovativer, rebellischer Musiker hat Tom Waits sich seinen Namen gemacht.  Am Sonntag (7. Dezember) feiert der Amerikaner seinen 65. Geburtstag.

Mit 20 Jahren fing der in Kalifornien geborene Waits an, erste Songs zu schreiben, bald verdiente er damit sein Geld. Der kreative Prozess fiel ihm nie schwer, sagte Waits in einem Interview: „Die Songs brechen aus einem heraus.“ Sein erstes Album „Closing Time“ veröffentlichte er mit 24, jedoch nicht mit dem Erfolg, den andere Künstler mit seinen Songs feierten. Im Vorprogramm von Frank Zappa wurde Waits regelmäßig ausgebuht. Mit sechs weiteren Alben waren die siebziger Jahre eine künstlerisch fruchtbare, aber auch alkohollastige Zeit für Waits. Sein wohl bekanntester Song Tom Traubert's Blues (im Refrain „Waltzing Mathilda“) vom Album Small Change (1976) handelt von einer durchzechten Nacht in Kopenhagen mit der der dänischen Violinistin Mathilde Bondo.

Mit Kathleen Brennan, der laut Waits „größten Liebe seines Lebens“, seiner Ehefrau und wichtigsten künstlerischen Partnerin, kam die musikalische und persönliche Wende. 1980 heiratete das Paar, 1983 kam das erste ihrer drei gemeinsamen Kinder auf die Welt. In diesem Jahr veröffentlichten Waits und Brennan auch ihr erstes gemeinsam produziertes Album. „Swordfishtrombones“ markierte Waits' Abkehr von traditionellen gitarren- oder klavierdominierten Arrangements, abgelöst durch unkonventionelle Klangstrukturen, manchmal mit einem Dudelsack oder einem Marimbaphon im Programm. „Der einzige Grund dafür, dass Leute neue Songs schreiben, ist, dass sie keine Lust mehr auf die alten haben“, sagte Waits in einem Interview und gab damit die beste Erklärung für die stete Wandlung seines Sounds.

Waits war nie ein Fan der Medienaufmerksamkeit, die seine Musik oder seine Filmauftritte - häufig in der Rolle des Ganoven - hervorriefen. Die Gespräche mit Medien, die einer Albenveröffentlichung vorangehen, bezeichnet er als „Geschirrspülen“, als notwendige, lästige, immer wiederkehrende Aufgabe, die dem Fest des kreativen Schaffens folge. Vor drei Jahren wurde Tom Waits mit einer Laudatio von Neil Young in die Rock-and-Roll Hall of Fame aufgenommen. „Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll“, kommentierte er und befürchtete den Anfang vom Ende, die Vorbereitung für den Nachruf.

Zum Alter sagt er: „Als Kind wollte ich alt sein, weil die Alten die sind mit den großen Geschichten und den coolen Klamotten. Jetzt würde ich das gern mitnehmen und zurück in diese Zeit gehen.“

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