Nach Charles Dickens : Augsburger Puppenkiste und die «Geister der Weihnacht»

Die Nacht überstanden: Scrooge in seinem Schlafzimmer mit Hund. /Universum Film GmbH
Die Nacht überstanden: Scrooge in seinem Schlafzimmer mit Hund. /Universum Film GmbH

Advent und Weihnachten: Da träumt man von Besinnlichkeit, kommt aber vor Hektik nie dazu. Selbst schuld. Denn all der Vorbereitungsstress macht das Fest nicht unbedingt schöner. Und das beste Geschenk ist sowieso unbezahlbar, wie die Augsburger Puppenkiste zeigt.

shz.de von
25. November 2018, 15:12 Uhr

Was braucht man für ein gelungenes Weihnachtsfest? Die schönsten Geschenke, das beste Essen, die tollste Deko und den größten Weihnachtsbaum.

Was für ein Stress, alle Jahre wieder! Doch es geht anders, wie die Augsburger Puppenkiste mit ihrem diesjährigen Weihnachtsfilm in Erinnerung ruft. «Geister der Weihnacht» ist ein zauberhafter Film für die Adventszeit, angelehnt an die berühmte Erzählung von Charles Dickens (1812-1870) aus dem Jahr 1843, mit der der Schriftsteller auf die Armut vieler Menschen aufmerksam machte. Der Film ist prominent besetzt mit den Stimmen von Martina Gedeck («Zwei Herren im Anzug») und Martin Gruber («Die Bergwacht»). Stars sind jedoch die Marionettenpuppen, die für den Film in der Werkstatt des 70 Jahre alten Traditionstheaters geschnitzt wurden.

Mr. Scrooge (Stimme: Thomas Rauscher) ist ein mürrischer Geschäftsmann, der möglichst viel Geld scheffeln will. Seinen armen Buchhalter Cratchit knechtet er und gibt ihm nur widerwillig über Weihnachten frei. Auch seine Nichte Freddy vergrault er, obwohl die ihn zum Festessen einladen wollte. «Dummes Zeug!», räsoniert der alte Geizkragen wütend ob der frohen Feierstimmung überall. Doch in der Weihnachtsnacht bekommt er in seinem einsamen Haus Besuch. Drei Geister tauchen auf und nehmen ihn mit auf eine Reise - in das Weihnachten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Mit diesen Bildern wollen sie sein hartes Herz erweichen.

Anders als viele andere Macher von Kinderfilmen setzt die Augsburger Puppenkiste nicht auf schnelle Schnitte, Action und aufregende Effekte. Das macht «Geister der Weihnacht» so liebenswert und auch schon für kleine Kinder sehenswert. Kindgerecht und liebevoll erzählt das Team rund um Theaterleiter Klaus Marschall und die Regisseure Julian Köberer und Judith Gardner, wie ein einsamer, verbitterter Mann seine Lebensfreude wiederfindet. Martin Gruber spricht Scrooges verstorbenen Geschäftspartner Marley, der zu Lebzeiten so viel Geld gescheffelt hat, dass er noch im Tode eine klirrende Kette aus Münzen mit sich herumschleppen muss. Martina Gedeck ist als Geist der Vergangenheit zu hören.

Die Geschichte beginnt düster, kaum Licht, keine Freude. Umso eindrucksvoller die Botschaft der Geister: Das Streben nach Geld ist nicht alles und wer nicht aufpasst, verpasst das Beste im Leben - schöne Stunden mit Familie und Freunden. Das Geschenk gemeinsamer Zeit - unbezahlbar. Wann sollte man sich das ins Gedächtnis rufen, wenn nicht zum Fest der Liebe?

Geister der Weihnacht, Deutschland 2018, 64 Min., FSK ab 0, von Julian Köberer und Judith Gardner, mit den Stimmen von Martina Gedeck, Martin Gruber, Thomas Rauscher

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