zur Navigation springen

Streik aktuell : Lufthansa streicht jeweils 27 Flüge von und nach Hamburg

vom

Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit haben sich heillos ineinander verkeilt. Die Airline zieht nun vor Gericht.

Die Lufthansa hat die meisten Flüge zwischen Hamburg und den Flughäfen Frankfurt und München am Mittwoch wegen des Pilotenstreiks gestrichen. Von den jeweils 14 geplanten Hin- und Rückflug-Verbindungen zwischen Hamburg und München fallen zwölf aus, wie der Flughafen am Dienstag mitteilte. Von und nach Frankfurt fallen jeweils 15 von 18 geplanten Flügen aus.

Somit bleiben nach München zwei Lufthansa-Flüge um 10 Uhr und 15 Uhr sowie drei Frankfurt-Flüge um 9 Uhr, 14 Uhr und 18 Uhr. Die Lufthansa stellt für Passagiere Informationen auf ihrer Internet-Seite bereit und hat eine telefonische Hotline eingerichtet.

Betroffene Passagiere können sich auf dieser Seite der Lufthansa informieren.

Der heftige Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren Piloten eskaliert immer weiter. Weil sich das Management und die Vereinigung Cockpit (VC) am Verhandlungstisch nicht einigen können, ziehen die Parteien während der 13. Streikrunde jetzt vor die Arbeitsgerichte am Drehkreuz Frankfurt und am Firmensitz Köln.

Es ist der 13. Streik in dem laufenden Tarifkonflikt. In bislang zwölf Streikrunden seit April 2014 hat er der Lufthansa nach deren Angaben mehr als 300 Millionen Euro Schaden zugefügt. Vordergründig geht es um die Übergangsrenten der Piloten zwischen Ausscheiden aus dem aktiven Dienst und der Rente. Erklärtes Ziel der Gewerkschaft ist es aber auch, den Ausbau des Billigfliegers unter der Marke Eurowings zu bekämpfen.

Zumindest denkbar ist auch eine dritte Stufe am Donnerstag.

Zusätzlich droht die Gewerkschaft mit einer beispiellosen Streikserie bis zum Jahresende. „Bis auf weiteres ist es jede Woche möglich, dass es neue Ausstände gibt. Ausgenommen davon ist vielleicht Weihnachten“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Frankfurter Flughafen.

Lufthansa lässt nun die Juristen sprechen: 60 Millionen Euro soll die VC an Schadenersatz zahlen, weil der erste Streik aus dem April 2014 zu früh gekommen sei. Damals sei zumindest bei der mitbestreikten Cargo-Tochter ein angegriffener Tarifvertrag noch gültig gewesen.

Das Unternehmen wollte zudem noch am Dienstag die Streikziele der Piloten gerichtlich überprüfen lassen, wie ein Sprecher erklärte. Denn streiken darf man in Deutschland nur für Dinge, die tatsächlich in einem Tarifvertrag geregelt sind. Dazu gehören etwa Entgelte, Arbeitszeiten, Beförderungsregeln oder Rentenfragen.

Die VC hat in der Vergangenheit aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht und den von Konzernchef Carsten Spohr geplanten Umbau mit einer externen Billigtochter „Eurowings“ heftig kritisiert.

Piloten-Arbeitsplätze mit Billiglöhnen würden ins europäische Ausland (Österreich) exportiert und so dem deutschen Tarifrecht entzogen, lauteten unter anderem die Vorwürfe. Die Lufthansa sieht in den öffentlichen Äußerungen verschiedener Funktionäre zum Thema handfeste Belege, dass Cockpit für unrechtmäßige Ziele streike.

Die Gewerkschaft sieht das natürlich ganz anders - und hat vor den traditionell arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsgerichten wohl ganz gute Karten. Feinsäuberlich hat man die Mitglieder Anfang 2014 in zwei getrennten Urabstimmungen über die Tarifverträge zu den Gehältern und zur Übergangsversorgung für die Piloten befragt.

Mein Flug fällt aus. Welche Rechte habe ich?

Fällt ein Flug wegen eines Streiks aus, muss die Airline schnellstmöglich eine Ersatzbeförderung organisieren. Außerdem ist sie verpflichtet, gestrandete Passagiere bei  Verspätungen ab zwei Stunden mit Essen und Getränken zu versorgen sowie Zugang zu Kommunikationsmitteln zu ermöglichen. Dies gilt für Flüge bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden Wartezeit.

Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, können kostenfrei stornieren oder umbuchen.

Was kann ich konkret vor Reiseantritt tun?

Lufthansa rät allen Passagieren, sich vor Antritt ihrer Reise im Internet über den Status ihres Flugs zu informieren. Auf der Lufthansa-Homepage können Kunden unter „Meine Buchungen“ den Status ihrer Flüge einsehen. Eventuell werden dort bereits Ersatz-Flüge angezeigt. Das Service-Center der Lufthansa steht bei Fragen unter Tel.:  0800/850 60 70 zu Verfügung. Der Anruf ist kostenfrei.

Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin?

Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Passagiere, die innerhalb Deutschland reisen, dürfen die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Dafür muss das Ticket online oder an einem Lufthansa Check-in Automaten umgebucht werden.

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern.

Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Was bedeutet Ersatzbeförderung genau?

Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei einem kürzeren Streik von nur wenigen Stunden kann es reichen, zu warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Dauert der Ausstand länger, müssen die Airlines und Reiseveranstalter die Kunden zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen - und von dort aus zum gewünschten Ziel.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtssprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks der Fall. Eine Ausnahme: Der Passagier kann nachweisen, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen abzumildern.

 
zur Startseite

von
erstellt am 08.Sep.2015 | 15:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen