Nachfolger für „Sozialtourismus“ : „Lügenpresse“ ist Unwort des Jahres 2014

Das neue Unwort des Jahres ist „Lügenpresse“. Aber auch „Erweiterte Verhörmethoden“ und „Russland-Versteher“ werden gerügt.

shz.de von
12. Januar 2015, 22:11 Uhr

„Lügenpresse“ ist das „Unwort des Jahres 2014“. Das teilte die „Unwort“-Jury unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt mit. Das Schlagwort „war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien“, hieß es zur Begründung. „Mit dem Ausdruck “Lügenpresse„ werden Medien pauschal diffamiert“, sagte Janisch. „Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit.“ Zum „Unwort des Jahres 2013“ war „Sozialtourismus“ gewählt worden, 2012 „Opfer-Abo“, 2011 „Döner-Morde“. Die „Unwort“-Aktion gibt es seit 1991.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Richtige Wahl &quot;Lügenpresse&quot; als Unwort des Jahres, stellvertretend für alle völkischen und hetzerischen Worte, die <a href="https://twitter.com/hashtag/pegida?src=hash">#pegida</a> nutzt.</p>&mdash; T. Schäfer-Gümbel (@tsghessen) <a href="https://twitter.com/tsghessen/status/554931193649840128">13. Januar 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p><a href="https://twitter.com/hashtag/L%C3%BCgenpresse?src=hash">#Lügenpresse</a> war schon vorher mein Unwort des Jahres - jetzt ist es amtlich. Darf man eigentlich <a href="https://twitter.com/hashtag/Pegida?src=hash">#Pegida</a>-Demos entern und <a href="https://twitter.com/hashtag/L%C3%BCgendemo?src=hash">#Lügendemo</a> rufen?</p>&mdash; Matthias Bueschking (@MatthBueschking) <a href="https://twitter.com/MatthBueschking/status/554929000569917442">13. Januar 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>&quot;<a href="https://twitter.com/hashtag/L%C3%BCgenpresse?src=hash">#Lügenpresse</a>&quot; ist <a href="https://twitter.com/hashtag/Unwort?src=hash">#Unwort</a> des Jahres 2014 - sehr treffend! Ekelhaft, von Lügenpresse zu sprechen &amp; Trauer für Karikaturisten zu heucheln.</p>&mdash; Kai Gehring (@KaiGehring) <a href="https://twitter.com/KaiGehring/status/554931573204996096">13. Januar 2015</a></blockquote>

Seit 1991 stimmt eine Jury, bestehend aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten, über das Unwort des Jahres ab. Das ganze Jahr über kann jeder sein persönliches Unwort einreichen. Aus dem Fundus wird dann Mitte Januar des Folgejahres das Siegerwort gewählt. 2013 wurde „Sozialtourismus“ zum Unwort des Jahres gewählt.

Diese Worte wurden unter anderen 2014 eingereicht:

Eine Auswahl der Einreichungen für das Unwort des Jahres 2014.
Alena Simon
Eine Auswahl der Einreichungen für das Unwort des Jahres 2014.
 

Putin-Versteher

Vom „Frauenversteher“ zum „Putin-Versteher“: Ex-Kanzler Gerhard Schröder bekam seit Fett weg.
dpa
Vom „Frauenversteher“ zum „Putin-Versteher“: Ex-Kanzler Gerhard Schröder bekam seit Fett weg.
 

Mit dem Wort „Putin-Versteher“ werden die Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt bezeichnet. Ex-Kanzler Gerhard Schröder beispielsweise wurde als ein solcher bezeichnet.

Social Freezing

Der Begriff wurde zuletzt vor allem durch die Firmen Apple und Facebook geprägt, die ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen bezahlen, damit die – der Karriere wegen – das Kinderkriegen auf später verschieben können.

Sterbehilfe-Tourismus

In den wenigsten Ländern ist die aktive Sterbehilfe erlaubt. Wer sich dem Verbot entziehen will, macht sich auf den Weg in Länder, die andere Regeln haben.

Armutszuwanderung

Mit „Armutszuwanderung“ beschreibt die CSU Zuwanderer mit geringer Qualifizierung, die angeblich vor allem Sozialleistungen in Deutschland in Anspruch nehmen wollen.

Supergrundrecht

Das Wort entstand im Zusammenhang mit der NSA-Abhöraffäre: Von einem „Supergrundrecht“ sprach der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Er vertrat die Ansicht, dass für die Deutschen die Sicherheit ein extrem wichtiges Recht ist, ein sogenanntes „Supergrundrecht“. Es würde sogar höher als andere Grundrechte stehen.

Pegida

Teilnehmer der islamkritischen Pegida-Bewegung zogen am Montagabend mit Transparenten und Fahnen bei einer Kundgebung in Dresden am Stadion des Fußball-Drittligisten Dynamo Dresden vorbei.
Peter Endig/dpa
Teilnehmer der islamkritischen Pegida-Bewegung zogen am Montagabend mit Transparenten und Fahnen bei einer Kundgebung in Dresden am Stadion des Fußball-Drittligisten Dynamo Dresden vorbei.
 

Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Die Anhänger der Pegida-Bewegung demonstrieren gegen die angebliche Überfremdung Deutschlands durch den Islam. Dafür ernten sie bundesweit viel Kritik.

Die Sieger der vergangenen Jahre:

Die Unwörter des Jahres seit 1991
Alena Simon
Die Unwörter des Jahres seit 1991
 

Dass nicht unbedingt das Wort Unwort des Jahres wird, welches am häufigsten eingereicht wurde, zeigt das Siegerwort 2011 „Opfer-Abo“ – welches nur einmal eingereicht wurde.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert