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Literatur : «Winterjournal»: Paul Auster zieht Bilanz

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Paul Auster ist wieder da, wo alles begann. In dem autobiografischen Essay «Die Erfindung der Einsamkeit» verarbeitete der US-Autor vor rund 30 Jahren die Beziehung zu seinem gestorbenen Vater - sein erster großer Erfolg.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 11:27 Uhr

Inzwischen ist Auster 66 Jahre alt und gilt als einer der wichtigsten Autoren der USA. Er hat zahlreiche Bestseller geschrieben, dutzende Auszeichnungen bekommen und wird immer wieder als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt. Und genau jetzt kehrt er mit einem zweiten autobiografischen Essay wieder zum Anfang zurück: «Winterjournal». Die deutsche Ausgabe erscheint an diesem Freitag (20. September) im Rowohlt Verlag (Reinbek).

Diesmal setzt sich Auster mit dem Tod seiner Mutter auseinander und blickt - mal fröhlich, mal traurig, mal abgeklärt, mal melancholisch - auf sein Leben zurück. «Du fragst dich: Wie viel Mal wirst du noch aufwachen? Eine Tür hat sich geschlossen. Eine andere hat sich geöffnet. Du bist in den Winter deines Lebens eingetreten.»

Der Band könne als «eine Art Buchstütze» für «Die Erfindung der Einsamkeit» gelesen werden, schrieb die «New York Times». Dem Vergleich mit seinem Vorgänger halte es allerdings nicht stand - «es fehlt der Kick». In den USA erschien das Werk bereits im vergangenen August.

Auster zieht darin in einer Art Brief an sich selbst Bilanz - und das äußerst detailgenau. Alle Häuser und Wohnungen, in denen er gelebt hat, alle Frauen, die er geliebt hat, alle Baseball-Spiele, bei denen er als Kind auf dem Platz stand. An seinen besten Stellen ist das Buch spannend, mitreißend und anregend. Es malt ein Bild des New Yorks der vergangenen Jahrzehnte, von Austers Geburtsstädtchen Newark auf der anderen Seite des Hudson River.

Es ist auch eine glühende Liebeserklärung an Austers zweite Frau, die Schriftstellerin Siri Hustvedt. «Intelligenz ist die eine Fähigkeit der Menschen, die man nicht vortäuschen kann und als sich deine Augen an die Strahlkraft ihrer Schönheit gewöhnt hatten, hast du verstanden, dass sie eine brillante Frau war, einer der klügsten Köpfe, die du je getroffen hast.»

Aber die vielen Aufzählungen und Details können auch langatmig werden, gerade wenn es um Krankheiten und - ja - sogar Geschlechtskrankheiten geht. Auch die zählt Auster penibel genau auf.

«Winterjournal» ist nicht das beste Buch des gefeierten Bestseller-Autors, aber es ist hochpersönlich und bringt sein Leben dem Leser sehr nahe. Ein Leben, das einerseits so normal und andererseits doch so außergewöhnlich war, dass Auster selbst es manchmal nicht zu glauben scheint. «Einige Erinnerungen sind so merkwürdig für dich, so unwahrscheinlich, so außerhalb des Reichs des Möglichen, dass du es schwierig findest, dich damit anzufreunden, dass du die Person bist, die all diese Dinge, an die du dich erinnerst, erlebt hast.»

- Paul Auster: Winterjournal. Rowohlt, Reinbek, 253 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-644-03051-0

- Paul Auster: Winter Journal. Henry Holt and Company, New York, 240 Seiten, 26 Dollar, ISBN: 780805095531.

Winterjournal/Rowohlt

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