zur Navigation springen

Literatur : Wenn alles zu Ende geht: «Verhalten bei Weltuntergang»

vom

Alles hat einen Anfang und geht irgendwann einmal zu Ende. Das ist eine der grundsätzlichen Erkenntnisse über den Aufbau der Welt, die seit Jahrhunderten immer wieder bestätigt werden.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 11:17 Uhr

Ganz gleich, ob die Spanne von Anfang bis Ende nun in Sekunden oder Jahrmillionen gemessen wird, eines steht eindeutig fest: Nichts existiert für immer.

Eine logische Konsequenz dieser Überlegung ist, dass irgendwann einmal auch die Welt als Ganzes ihr Ende erreicht haben muss. Dieser Gedanke einer universellen Endlichkeit ist keinesfalls neu. Wie Florian Werner in seinem Buch «Verhalten bei Weltuntergang» darstellt, erfüllt das Warten auf das Ende der Welt in den meisten Religionen und den von ihnen geformten Kulturen eine regulierende Funktion. Sie versprechen eine goldene Zukunft nach dem Ende der Welt all jenen, die vorher bestimmte Kriterien erfüllt haben.

Also ist es im grundlegenden Interesse aller möglicherweise Betroffenen, genau zu wissen, wann es so weit ist. Erfahrungswerte gibt es natürlich nicht, so dass Werner sich auf Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Legenden und Erzählungen konzentriert. Seine Ergebnisse hat er dabei thematisch gruppiert.

Wenn die Welt sich ihrem Ende nähert, dann verlieren alle herkömmlichen Naturgesetze ihre Gültigkeit. So ist das Auftauchen absonderlicher Wesen wie Drachen und Chimären ein sicheres Zeichen für den nahen Weltuntergang, aber auch ganz gängige Wesen wie Tiere und Menschen leisten ihren Beitrag zum Ende.

Auch andere Zeichen können auf den großen Weltuntergang hindeuten. So gibt es besondere, mit negativen Bedeutungen belegte Zahlen, die vermehrt auftreten. Und auch besondere Daten haben schon zur festen Erwartung von Untergangsszenarien geführt. Viele erinnern sich noch an die Panikmache im Zusammenhang mit dem Jahr 2000 oder dem «Ende» des Maya-Kalenders, aber Werner identifiziert noch eine ganze Reihe weiterer Jahre oder auch bestimmter Tage, die als Zeitpunkt des Untergangs vorhergesagt wurden.

Werner findet noch weitere Themen, durch die das Kommen des Weltuntergangs angezeigt werden soll. Diese illustriert er nicht nur durch Zitate aus einer weiten Bandbreite von Quellen, sondern auch durch fantasievolle Zeichnungen von Nikolaus Heidelbach, die durch ihre unheimliche Grundstimmung dem oft locker formulierten Buch eine besondere zusätzliche Note verleihen.

All dies hat natürlich bei aller Absurdität auch einen wahren Kern, wie Werner betont: «Nur weil die Menschheit unter chronischer Apokalypsie leidet, bedeutet das noch lange nicht, dass die Welt nicht trotzdem untergehen könnte.» Dabei kann er sich sogar auf die Erkenntnisse der Astrophysik beziehen. Spätestens in fünf bis sechs Milliarden Jahren wird die Erde von der Sonne geschluckt werden.

Aber ist mit dem Ende der Welt wirklich alles vorbei? Werner lässt eine Hintertür offen: «Der Weltuntergang existiert ausschließlich im Test, nur dadurch, dass von ihm gesprochen wird. Wenn er aber tatsächlich einmal stattfinden sollte, wird es niemanden mehr geben, der von ihm sprechen könnte.» Findet er also schon deshalb nicht statt? Ein kleines Detail verbreitet mit viel Augenzwinkern Optimismus: Die Zählung der Buchseiten läuft rückwärts, von 156 bis 1, von Omega bis Alpha. Aber weiter geht es doch.

Ein intelligent gemachtes, zum Nachdenken anregendes Buch, das sich und sein Thema bis zum Ende ernst, aber nicht zu ernst nimmt.

- Florian Werner: Verhalten bei Weltuntergang. Verlag Nagel und Kimche, München, 156 Seiten, mit Bildern von Nikolaus Heidelbach, Euro 19,90, ISBN 978-3-312-00581-9

«Verhalten bei Weltuntergang» beim Verlag Nagel und Kimche

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen