Literatur : «Was mir zusteht»: Parinoush Saniee über eine starke Frau

Parinoush Saniee erzählt die spannende Geschichte einer Frau im Iran. /Knaus Verlag
Parinoush Saniee erzählt die spannende Geschichte einer Frau im Iran. /Knaus Verlag

Masumeh fordert nicht viel. Als Mädchen möchte sie zur Schule gehen. Als Frau will sie ein friedvolles Familienleben führen. Doch ihre Mutter sieht sie lieber im Schneiderkurs, ihr Ehemann interessiert sich nur für Politik.

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05. November 2013, 14:37 Uhr

Parinoush Saniee zeichnet in ihrem ersten Roman «Was mir zusteht» das zunehmend selbstbestimmte Leben einer Frau im Iran der vergangenen 50 Jahre nach. Die Autorin, deren Kinder in Deutschland leben, hat viel über iranische Frauen geforscht und ihre Recherchen in den Roman und seine Protagonistin einfließen lassen.

Ihr Name bedeutet «unschuldig». Mit 16 Jahren verliebt sich Masumeh zum ersten Mal. Sie tauscht verstohlene Blicke mit Saeid, dem Gehilfen des Apothekers, aus. Er grüßt sie leise und schreibt ihr Liebesbriefe. Doch Masumehs Familie unterbricht den zarten Beginn einer Beziehung. In ihren Augen hat sie sich schuldig gemacht und alle entehrt. Ihre Mutter beschimpft sie als «kleine Hure», ihr Vater sieht sie nicht mehr an und ihre Brüder gehen ihr aus dem Weg. Sie wird im Haus eingesperrt und schnell verheiratet.

Ihren Ehemann Hamid kennt sie nicht. Das erste Mal sieht sie ihn auf der erzwungenen Hochzeit. Im Schlafzimmer des Unbekannten denkt sie: «Mein Gott, was war das bloß für eine Tradition! Erst hatten sie mich dafür umbringen wollen, dass ich mit einem Mann, über den ich einiges wusste, den ich liebte und dem ich bis ans Ende der Welt gefolgt wäre, ein paar Worte gewechselt hatte, und jetzt wollten sie, dass ich mit einem vollkommen Fremden ins Bett ging, der mir nichts als Angst einflößte.»

Hamid entpuppt sich als moderner Mann. Er ermutigt sie, ihre Ausbildung wieder aufzunehmen, kümmert sich aber nicht um Masumeh und die gemeinsamen Kinder. Seine politischen Ideale bedeuten ihm alles. Als Kommunist hat er sowohl unter dem Schah-Regime als auch unter der Islamischen Republik zu leiden.

«Was mir zusteht» erzählt die spannende Geschichte einer Frau im Iran und hat selbst eine bewegte Geschichte hinter sich. 2003 konnte das Buch die Zensur umgehen und im Iran erscheinen. Unter Präsident Ahmadinedschad war es verboten bis die Autorin erfolgreich dagegen klagte.

Inzwischen wurde es in mehrere Sprachen übersetzt, zuerst 2010 ins Italienische. 2013 wurde es aus dem Italienischen ins Deutsche übertragen und vor einiger Zeit veröffentlicht. Die Übersetzung der Übersetzung ist nicht immer gelungen, einzelne Wörter klingen antiquiert.

Das Buch besticht vor allem mit seiner authentischen Handlung. Masumeh ist zwar fiktiv, aber ihre Geschichte steht repräsentativ für das Schicksal vieler Frauen im Iran.

- Parinoush Saniee: Was mir zusteht. Knaus, München, 480 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-8135-0524-5

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