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Nach dem Tod des Literaturnobelpreisträgers : „Vonne Endlichkait“ - Steidl Verlag stellt letztes Buch von Günter Grass vor

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Eigentlich wollte Günter Grass sein Buch „Vonne Endlichkait“ bei einer Lesung in Göttingen selbst vorstellen. Doch am 13. April - das Buch war praktisch fertig - starb der Nobelpreisträger.

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erstellt am 25.Aug.2015 | 13:25 Uhr

Fast ein halbes Jahr nach dem Tod von Günter Grass hat der Steidl Verlag am Dienstag in Göttingen das mit Spannung erwartete letzte Buch des Nobelpreisträgers präsentiert. Es hat in ostpreußischer Mundart den Titel „Vonne Endlichkait“. „Günter Grass hat uns mit dem Buch ein bewegendes Abschiedsgeschenk hinterlassen“, sagte Steidl. „Ich glaube, dass ihm noch einmal etwas Großes gelungen ist.“ Steidl kündigte an, dass von Grass in Zukunft zwar kein neues, vielleicht unter dem Bett verstecktes Manuskript zu erwarten sei. Dafür sei mit Tagebuchpublikationen zu rechnen. Dabei werde es um Phasen gehen, in denen sich Grass in seinen Tagebüchern insbesondere zu politischen Fragen Gedanken gemacht habe.

Grass war am Montagmorgen des 13. Aprils im Alter von 87 Jahren in einem Lübecker Krankenhaus an den Folgen einer Infektion gestorben. Seine Familie war bei ihm. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert hatte der Autor des Romans „Die Blechtrommel“ in Behlendorf bei Lübeck gewohnt.

Grass hatte das Buch kurz vor seinem Tod am 13. April praktisch fertig und wollte es mit Steidl nur noch druckfertig machen. Nach Angaben des Verlags hat Grass „in einem beeindruckenden Wechselspiel aus Lyrik, Prosa und Illustration sein letztes Gesamtkunstwerk“ geschaffen. „Und was ich an dem Buch so bemerkenswert finde: Es ist ein streckenweise zum Brüllen komisches Buch.“ Manche hielten Grass für einen verbiesterten Menschen, der allen seine Meinung habe aufdrücken wollen. „Aber er hat einen subtilen Humor, und in diesen Texten ist er noch einmal zu Hochform aufgelaufen.“

Das Buch kommt am Freitag (28. August) mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren in den Buchhandel. Es umfasst 176 Seiten und bietet laut Verlag Liebesbriefe, Selbstgespräche, Eifersuchtsdramen, Schwanengesänge, Gesellschaftssatiren und Augenblicke des Glücks. „Plötzlich findet rhythmisierte Kurzprosa ein vielstimmiges Echo in episch wuchernden oder pointiert zugespitzten Gedichten.“ Grass habe berührende Geschichten zu kunstvollen Miniaturen verdichtet, so der Verlag.

Lektor Dieter Stolz hob wie Steidl hervor, dass Grass mit dem Buch ein literarisches Experiment gewagt habe, indem er kurze Prosa-Texte und darauf direkt bezogene Lyrik als sogenannte Doppelstücke verfasste und zudem noch mit passenden Bleistiftzeichnungen illustrierte. Auch wenn es sehr viele kleine einzelne Stücke seien, biete das Buch insgesamt einen klaren, spannenden Bogen.

Bei einer bewegenden Matinee hatte Grass' Tochter Helene im Juni erstmals öffentlich Auszüge gelesen. Der Göttinger Germanist und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering, lobte damals das trotz der ernsten Themen so leicht geschriebene Buch: „Vonne Endlichkait“ ist ein anrührendes, manchmal bezauberndes Kunstwerk geworden.“ In dem Werk gehe es um die letzten Dinge, um körperlichen Verfall, ums Sterben, auch um die Frage nach Gott.

Ebenso drastisch wie grotesk und mit viel Humor beschreibt Grass, wie die von Helene Grass vorgetragenen Auszüge deutlich machten, die eigenen Altersbeschwerden.

Der ebenfalls vorgetragene Text „Worin und wo wir liegen werden“ ist mit deftigem Humor gewürzt. Weil der zweite Herzschrittmacher seine Dienste verweigert und die Lunge nach jahrzehntelangem Rauchen kaputt ist, lässt sich Grass von seinem Tischler für sich und seine Frau Särge liefern, in denen sie dann Probeliegen: „Wie seltsam, jeweils den Atem des anderen zu hören.“ Seine Frau bedauerte, kein Foto von ihm in der Kiste gemacht zu haben. „Du sahst so zufrieden aus“, lässt Grass sie in der Erzählung sagen.

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