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Literatur : Vom Ende der Liebe - «43 Gründe, warum es aus ist»

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Man kennt das aus eigener Erfahrung. Im Laufe einer Liebe kommt dann doch eine ganze Menge an Erinnerungsstücken zusammen: die beiden Kinokarten vom ersten Abend, der Korken von einer gemeinsam geleerten Flasche. Viel Kram und, wenn man ehrlich ist, auch einiger Kitsch.

Nur, dass man das meist erst dann bemerkt, wenn die Geschichte vorbei ist.

Der amerikanische Kinderbuch-Autor Daniel Handler hat aus solchen Souvenirs nun eines der originellsten Jugendbücher der letzten Jahre gemacht - über eine Teenager-Liebe von keinen zwei Monaten, die man aber auch als Erwachsener mit Gewinn bis zum Ende verfolgt. «Why we broke up» («Warum wir auseinander sind») heißt das Buch im englischsprachigen Original. Auf deutsch ist daraus «43 Gründe, warum es aus ist» geworden.

Diese Gründe sind 43 Dinge der unterschiedlichsten Art - von Kinokarten (siehe oben) über ein Kondom, eine Zuckerdose und einen Regenschirm bis zu einem Film voller Fotos, der immer noch nicht entwickelt sind. Handler erzählt damit, wie die Schulliebe zwischen der 16-jährigen Min Green (eher der «künstlerisch angehauchte Typ») und der Sportgröße Ed Slaterton, dem lokalen Basketball-Star, ihren Lauf nimmt. Schnell merkt man, dass die beiden doch sehr verschieden sind.

Es ist eine Art Abschiedsbrief über 362 Seiten, in den Min noch einmal alles hineinpackt, was sie loswerden will. Im Buch wird daraus ein ganzer Karton, den sie Ed gleich zu Beginn einfach vor die Haustür wirft. Handler erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Mädchens. Begründung: «Ich finde Frauen von vornherein interessanter als Männer.» Er selbst, soviel der Vollständigkeit halber, wurde an der High School mindestens drei Mal sitzen gelassen.

Ganz neu ist die Idee nicht. Vor einigen Jahren bekam die US-Amerikanerin Leanne Shapton viel Lob für ihr Buch «Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris» - ebenfalls der Bericht über eine zu Ende gegangene Liebe, aus der sie eine Art Auktionskatalog machte.

Der französische Sänger Benjamin Biolay landete vor einer Weile einen Hit mit «Brandt Rhapsodie» - ein großartiges Chanson, dessen Text nur aus den Schnipseln besteht, die man sich im Laufe einer Liebe mit dem Magneten an den Kühlschrank klebt. Brandt, so heißt in Frankreich die bekannteste Kühlschrankmarke. Auch diese Geschichte ging nicht glücklich aus.

Handler - Sohn eines deutschen Juden, der mit seinen Eltern vor Hitler in die USA floh - hat das Genre nun fürs Jugendbuch entdeckt. Der 43-Jährige, inzwischen selbst Vater eines Sohnes, gehört in diesem Bereich in den USA zu den ganz Großen. Unter dem Pseudonym Lemony Snicket hat er millionenfach Bücher über die Abenteuer dreier Waisenkinder verkauft. In Deutschland kam die Serie unter dem Titel «Eine Reihe betrüblicher Ereignisse» heraus, hatte aber nur mäßigen Erfolg. Den «43 Gründen» müsste es eigentlich besser ergehen.

- Daniel Handler: 43 Gründe, warum es aus ist. Carl Hanser Verlag, München, 362 Seiten, 18,90 Euro, ISBN 978-3-446-24313-2

- Leanne Shapton: Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris. Berlin Verlag, 19,90 Euro, ISBN 978-3-827-00901-2

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erstellt am 20.Aug.2013 | 11:57 Uhr

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