zur Navigation springen

Verlage : Verlag C.H. Beck feiert 250. Geburtstag

vom

Man schrieb den 9. September 1763, als Carl Gottlob Beck in Nördlingen eine Druckerei kaufte.

Er gründete mit dem «Neuen Nördlingischen Gesangsbuch» Nördlingens erste Zeitung und konnte, als er 1802 starb, seinem Sohn Carl Heinrich (C.H.) ein gutlaufendes Druck-, Verlags- und Buchhandelsunternehmen hinterlassen. Und so gilt der 9. September 1763 als Geburtstag des Verlages, der heute C.H. Beck heißt und in München ansässig ist.

Im 21. Jahrhundert ist der Verlag eine Rarität. Und das gilt nicht nur, weil er so alt ist, sondern vor allem weil er heute, in Zeiten riesiger Buchkonzerne, eines der wenigen inhabergeführten Verlagshäuser der Bundesrepublik ist. Seit vier Jahrzehnten leitet Wolfgang Beck den Verlagsbereich «Literatur - Sachbuch - Wissenschaft», sein Bruder Hans Dieter ist für «Recht - Steuern - Wirtschaft» verantwortlich.

«Auf keinen Fall möchte ein Verlag, dass man ihm sein Alter ansieht», schreibt Wolfgang Beck zum Jubiläum. «Jung will er erscheinen, eine gute Figur machen und mit Programmen auftreten, die Neugier wecken und ein lebhaftes öffentliches Echo finden.» Ein ziemlich erfolgreiches Echo bescherte dem Verlag jüngst sein Autor Jonas Lüscher, der es mit seinem Buch «Frühling der Barbaren» auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2013 schaffte.

Doch auch ein Blick in die Geschichte des Hauses, dessen Sitz 1889 nach München verlegt wurde, ist durchaus spannend. Sie stehe für den «Aufstieg eines Familienunternehmens von einem Buchdrucker in der schwäbischen Provinz zu einem global player auf dem international vernetzten Buchmarkt», schreibt Stefan Rebenich in seinem neuen Buch «C.H.Beck 1763 - 2013. Der kulturwissenschaftliche Verlag und seine Geschichte». Die Geschichte des Verlages illustriere auch die Entwicklung der deutschen Gesellschaft.

So erlebte der Verleger Oscar Beck das 150. Verlagsjubiläum 1913 in einer «niederschmetternden» Zeitenwende kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Und mit der «Machtergreifung» der Nationalsozialisten 1933 «verdüstert sich auch die Geschichte des Verlages C.H. Beck in erheblichem Maße», wie der Verlag schreibt. Im Dezember 1933 kaufte Verleger Heinrich Beck den juristischen Verlag des jüdischen Verlegers Otto Liebmann. Der wiederum war von den Nazis zum Verkauf genötigt worden. «Die "Arisierung" der jüdischen Firma zeigt Heinrich Beck als "stillen Teilhaber" des NS-Regimes», schreibt Rebenich.

Doch nicht nur das: 1936 erscheint auch ein Kommentar zu den unsäglichen, unmenschlichen Nürnberger Gesetzen von 1935 im Verlag C.H. Beck. «Mehr als jede andere Publikation bezeugt dieses Werk eine Mitwirkung des Verlags an der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz», schreibt der Verlag heute, fast 80 Jahre später.

Die Verstrickungen in die NS-Machenschaften bescherten C.H. Beck einen schwierigen Neustart nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, erst ab 1949 durfte der Verlag wieder unter seinem bekannten Namen publizieren - auch der Verleger blieb mit Heinrich Beck der gleiche.

Mit seinen Söhnen Hans Dieter und Wolfgang übernahm die sechste Verlegergeneration den Verlag 1973. Das ist jetzt 40 Jahre her - noch ein kleines Jubiläum. Heute heißen die Herausforderungen vor allem Digitalisierung und Konzentration des Buchmarktes. «Die Zahl der selbstständigen, unabhängigen Akteure hat abgenommen. Das bedeutet zum Beispiel, dass heute sehr viel weniger Einkäufer darüber entscheiden, ob und in welchen Stückzahlen eine Neuerscheinung überhaupt Einlass findet in den Buchhandel», sagte Wolfgang Beck zu seinem 70. Geburtstag vor zwei Jahren.

Doch er glaubt an das Buch - auch in gedruckter Form. Denn: «Das ernsthafte, eindringliche, genaue Lesen, das Nachdenken über einen Text, die Auseinandersetzung mit ihm gelingen besser mit Papier als am Bildschirm.» Damals kündigte Wolfgang Beck auch bereits an, seine Geschäfte in näherer Zukunft seinem Sohn Jonathan zu übergeben. Wann genau das sein soll, hat er bislang aber nicht gesagt. Buchautor Rebenich schreibt: «Ob die Erfahrungen aus 250 Jahren Verlagsgeschichte reichen, um in Zukunft zu bestehen, wird sich erweisen müssen.»

Verlagsgeschichte C.H. Beck

zur Startseite

von
erstellt am 06.Sep.2013 | 12:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen