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Literatur : «Totenblick»: Bilderwahn und Leichenschwemme

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Zarte Gemüter seien gewarnt: In diesem Thriller fließt das Blut in Strömen. Und auch an grausigen Details wird nicht gespart. Hinzu kommen unheimliche Gestalten und eine Prise Esoterik. Und ganz viel Leipzig.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 09:43 Uhr

Für seinen ersten «echten» Krimi «Totenblick» hat der Fantasy-Autor Markus Heitz (41) die sächsische Metropole in die Werkstatt eines Irren verwandelt, der mit Leichen Kunstwerke nachbildet.

Kriminalhauptkommissar Peter Rhode verzweifelt fast an den Verbrechen. Die blutige Spur führt stets ins Nichts. Nicht einmal ein richtiges Motiv des Mörders ist erkennbar. Allerdings sucht er sich, wie es aussieht, seine Opfer nach ihrer Ähnlichkeit mit berühmten Bildern und Skulpturen aus; Rache spielt anscheinend keine Rolle.

Nebenwirkungen gibt es allerdings durch den Totenblick: Wer als Erster der Leiche in die starren Augen sieht, ist wohl auch dem Tod geweiht. Der Autor, der schon mehrmals den Deutschen Phantastik Preis gewonnen hat, bringt einen Bekannten ins Spiel: den Bestatter Konstantin Korff, der schon im letzten Fantasy-Roman «Oneiros - Tödlicher Fluch» seinen Auftritt hatte.

Auch der vorliegende erste Thriller, den Heitz nach eigenen Worten dem herausgebenden Knaur Verlag zum 50. Geburtstag schenkt, kommt nicht ganz ohne Fantasy-Elemente aus. Und ohne Horror geht es auch nicht. Das ist schade, denn der spannungsgeladene Roman ist überfrachtet mit ekligen und gruseligen Szenarien. Und beinahe jedes Kapitel hält eine neue Leiche bereit, manchmal auch drei oder vier.

So wirkt das Buch stellenweise wie eine Persiflage. Wogegen nichts zu sagen wäre, wenn denn dieser Stil durchgehalten worden wäre. Doch die nachempfundenen Gedankengänge und seelischen Schmerzen der Protagonisten neutralisieren die humorige Seite so gut wie ganz.

So werden die originellen Ideen und die sich aus ihnen ergebende Spannung einem fragwürdigen Nervenkitzel geopfert: Die Hemmschwelle sinkt, eine Abstumpfung setzt ein. Beides fördert eine zunehmende Brutalität und neue Fantasie-Ausgeburten des Mörders, der hier - so viel darf wohl verraten werden - unter schweren Traumata leidet.

Hinzu kommt das gängige, deswegen aber nicht weniger falsche Klischee einer unfähigen Polizei. Bedenklich in diesem Buch ist auch die Schlusskonsequenz. Wie die aussieht, sei dem möglichen Leser allerdings an dieser Stelle nicht verraten.

Markus Heitz: Totenblick, Knaur Taschenbuch Verlag München, 528 S., 9,90 Euro, ISBN 978-3-426-50591-5

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