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Literatur : T.S. Eliot: Phänomen über den Tod hinaus

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T.S. Eliot ist seit fast 50 Jahren tot. Doch der Einfluss des in den USA geborenen Wahl-Briten ist ungebrochen.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 00:03 Uhr

Pop-Bands holen sich Textanregungen aus seinen Gedichten, Sammler geben auf Auktionen Tausende für Erstausgaben seiner Bände aus. Andrew Lloyd-Webber baute sein Erfolgsmusical «Cats» auf Eliots Werk auf. Texte und Gedanken des revolutionären Poeten, Essayisten und Dramatikers sind allgegenwärtig. Am 26. September würde Eliot 125 Jahre alt.

«Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben?» Es sind Zitate wie dieses aus Eliots Gedicht «The Rock» aus dem Jahr 1934, das den toten Dichter zu einer zeitlosen Größe gemacht haben. Was er vor Jahrzehnten in seinem Kopf erdachte und was er minuziös zu Papier gebracht hat - das hat für viele heute noch größte Relevanz.

Eliot gilt als einer der mutigsten Poeten seiner Zeit. «Er hat nie Kompromisse gemacht, weder mit der Öffentlichkeit noch mit der Sprache selbst», heißt es in einer Würdigung des Nobelpreiskomitees in Stockholm. 1948 erhielt der zigfach ausgezeichnete Literat die größtmögliche Anerkennung seiner Branche - den Nobelpreis für Literatur. «Er ist seinem Glauben gefolgt, dass Dichtung versuchen sollte, die Komplexität moderner Zivilisation in Sprache umzusetzen und dass dieser Versuch notwendigerweise zu schwieriger Dichtung führt», hieß es damals vom Nobelpreiskomitee. Das 1939 erschienene Versepos «Das wüste Land», eines der Hauptwerke Eliots, zeugt von dieser Einstellung.

Eliots Schaffen ist vor allem stark von Vorbildern wie dem Italiener Dante Alighieri oder William Shakespeare geprägt, aber auch von seinen eigenen Erfahrungen - in «Das wüste Land» etwa soll unter anderem seine schwierige erste Ehe mit Vivienne Haigh-Wood verarbeitet sein.

1888 als Thomas Stearns Eliot im US-Bundesstaat Missouri geboren, zog es ihn schnell nach Europa. Er studierte an der französischen Sorbonne und in Oxford unter anderem Philosophie. 1914 zog er endgültig nach London und wurde 1927 britischer Staatsbürger. Sein Heimatland Amerika lehnte er ab. Eliot lebte, fühlte und arbeitete als Brite - am Bankschalter, im Verlagswesen, an der Universität. Er trat der anglikanischen Kirche von England bei und maß der Religion eine große Bedeutung bei.

Nach Eliots Tod im Jahr 1965 verwaltete seine zweite Frau Valerie den Nachlass des 38 Jahre älteren Dichters - mit großem Erfolg. Valerie bewunderte ihren späteren Mann, den sie erst acht Jahre vor dessen Tod heiraten konnte. Auf Wunsch ihres verstorbenen Mannes wachte sie auch darüber, dass nicht all zu viel über den großen Poeten geschrieben wurde. Kein Biograf solle in seiner Asche herumwühlen, soll er einmal gesagt haben.

Dennoch brachte die Veröffentlichung von Schriften und der Rechteverkauf - gerade für das Musical «Cats» - großen Wohlstand für die Familie. Er wurde zum Teil für gute Zwecke gestiftet. Im vergangenen November starb auch Valerie Eliot in London. Die gemeinsame Kunstsammlung des Paares, dessen Story als eine der größten Liebesgeschichten in der Literaturhistorie gilt, wird im November beim Londoner Auktionshaus Christie's versteigert.

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