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Literatur : Spätstarter mit Altersangst: Louis Begley wird 80

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Vor seiner Karriere hatte Louis Begley längst Karriere gemacht. Der Wirtschaftsanwalt war wohlhabend, Teil der New Yorker Gesellschaft, und nichts erinnerte an die Vergangenheit als jüdischer Flüchtlingsjunge ein paar Jahrzehnte zuvor. Oder den Ruhm als Schriftsteller, der noch kommen sollte.

Louis Begley hat erst mit 58 sein erstes Buch geschrieben, «Lügen in Zeiten des Krieges» und das mit Jack Nicholson verfilmte «Schmidt» wurden Bestseller. Jetzt wird Begley 80.

Als er 1933 im damals ostpolnischen Stryj geboren wurde, waren im fernen Berlin die Nazis gerade neun Monate an der Macht. Nur sechs Jahre später überfielen Deutschland und die Sowjetunion Polen, und der kleine Ludwig Beglejter floh nicht nur wie alle anderen vor den Soldaten, sondern als Jude vor allem vor den Mordkommandos. Der Vater wurde in die russische Armee gepresst, Ludwig und seine Mutter flohen, mit falschen Pässen als Katholiken. Weit unten im Ansehen der Nazis, aber zumindest «gute Arier». Sie überleben, finden gar den Vater wieder und wandern über Paris 1947 in die USA aus. Hier wird aus Ludwig Beglejter Louis Begley.

Und der macht eine Karriere, so erfolgreich wie unauffällig, wie so viele Flüchtlinge in New York: Begley wird wohlhabend, amerikanisch - und alt. Mit 58, da denken viele an den Ruhestand, fängt er an zu schreiben. «Lügen in Zeiten des Krieges» wird sofort ein Erfolg. Die Geschichte um Flucht vor Nazis und Sowjets, von Verfolgung und Vertreibung ist spannend und anrührend zugleich. Und sie ist wahr. Es ist Begleys/Beglejters Geschichte.

Begley ist nicht immer erfolgreich. Aber «Schmidt» wird 1996 zum Bestseller, auch dank der Verfilmung mit Jack Nicholson («About Schmidt»). Der erfolgreiche Versicherungsmakler Warren Schmidt wird Rentner - und unwichtig. Seine Frau stirbt, niemand will ihn mehr so recht und er muss sein Leben völlig neu aufbauen. Endlife Crisis, das ist das immer Wiederkehrende in Begleys Büchern. Und es ist kein schöner Blick auf das Alter, es hat mit dem Bild des gesunden, aktiven Rentners, dessen Erfahrung geschätzt wird, nichts zu tun.

«Sein eigenes Bild in der Schaufensterscheibe jagt ihm einen Schrecken ein», beschrieb Begley den gealterten Schmidt. Und ihm selbst gehe es ähnlich: «Die Einschätzung meines eigenen Charmes ist nicht viel anders. Wie Schmidt sehe ich nichts Gutes am Ende des Weges und die letzten Jahre meines Lebens erwarte ich als Kreuzweg.»

Aber da ist ja immer noch Sex, auch, gerade!, im Alter. Das Thema zieht sich durch Begleys Romane. Oft spielen diese in dem Milieu, das er kennt: In der wohlhabenden, gebildeten, oft jüdischen Schicht der New Yorker Banker, Ärzte und Anwälte. Aber allen gemein ist, dass sie jung sein wollen, dass sie verliebt oder zumindest begehrt sein wollen, aber von Selbstzweifeln geplagt werden.

«Ich frage mich, ob in meinem Alter noch der Kauf eines neuen Anzugs lohnt oder nur herausgeworfenes Geld ist», schrieb er im vergangenen Jahr in der «New York Times». Und doch: «Mein Herz schlägt immer noch lauter, wenn ich ein hübsches Mädchen in der Straßenbahn sehe.» Die Ernüchterung kommt Begley so schnell wie Schmidt: «Aber alles, was passiert, ist höchstens, dass sie mir ihren Sitzplatz anbietet.»

Begleys Website

Begleys Beitrag in der «NY Times»

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erstellt am 06.Okt.2013 | 00:07 Uhr

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