Literatur : PEN-Chef: Blogger zunehmend unter Druck

Josef Haslinger: Kritische Autoren geraten in autoritären Staaten zunehmend unter Druck.
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Josef Haslinger: Kritische Autoren geraten in autoritären Staaten zunehmend unter Druck.

Das Internet spielt gerade in den Ländern eine große Rolle, in denen die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird. Deshalb geraten laut Autoren-Vereinigung PEN zunehmend Blogger ins Visier.

shz.de von
14. November 2013, 22:07 Uhr

Darmstadt (dpa) - Um kritische Autoren mundtot machen zu können, gehen autoritäre Staaten nach Ansicht der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland verstärkt gegen Veröffentlichungen im Internet vor. Besonders rigoros seien China und Vietnam, sagte PEN-Präsident Josef Haslinger (58) zum Tag des inhaftierten Schriftstellers (15.11.) im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: In welchen Ländern werden Autoren am meisten unterdrückt?

Antwort: In Syrien ist die Situation in diesem Jahr unüberschaubar geworden. Spitzenreiter ist aber nach wie vor China. Dort sitzt der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo in Haft, des weiteren mindestens 40 namentlich bekannte Schriftsteller, Journalisten und Blogger, unter ihnen Kunchok Tsephel Gopey Tsang, der eine 15-jährige Haftstrafe verbüßt für das Verbrechen, eine tibetanische Website betrieben zu haben. Von den europäischen Ländern haben Weißrussland und die Türkei den schlechtesten Menschenrechtsstatus. In Weißrussland wurde gerade der bedeutendste Literaturverlag, Lohvinau, geschlossen und die diesjährige Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch darf dort ihre weltweit übersetzten Bücher noch immer nicht veröffentlichen.

Frage: Wie steht es um die Freiheit von Internet-Autoren?

Antwort: Die Probleme der Blogger nehmen auf der ganzen Welt zu, vor allem auch wieder in China, Vietnam und den arabischen Ländern. In der Türkei wurde Fazil Say wegen Religionsbeleidigung verurteilt, weil er literarische Texte getwittert hat. Im Iran hoffen die inhaftierten Blogger jetzt auf eine Klimaänderung durch den neuen Präsidenten Hassan Ruhani. Noch sind es nur Hoffnungen. Blogs sind eine neue Form der literarischen Kommunikation, aber auch der politischen Meinungsbildung geworden.

Frage: Was sind das für Schriftsteller? Die klassischen Buch-Autoren?

Antwort: Das sind Autoren, die unter Umständen noch nie ein Buch veröffentlicht, womöglich auch noch nie einen Artikel für eine Zeitung geschrieben haben. Sie werden wegen ihrer Meinungsäußerungen im Internet belangt.

Frage: Was macht das Besondere an den Blogs aus?

Antwort: Die Sprache ist meist lockerer, näher an der gesprochenen Sprache. Die Publikationshürden sind gering. Blogger versuchen, mit ihren Lesern ins Gespräch zu kommen. Die Foren sind tatsächlich wirkungsmächtig und meinungsbildend geworden. Der Arabische Frühling hat es gezeigt. Und jetzt zeigen arabische Geheimdienste, wie man die Blogger kassiert. Die Repressalien gegen Blogger sind nicht zufällig.

Frage: Wie sehen Unterdrückungen aus?

Antwort: Websites werden gehackt und mit Firewalls abgeschirmt. Die Autoren werden attackiert, verhört, inhaftiert. Es werden ihnen die Pässe weggenommen, sie werden unter Hausarrest gestellt - oft auch die Familienangehörigen. Berichte über Folter gibt es aus vielen Staaten, aus Nordkorea, China, Vietnam, auch aus der Türkei. Und bekanntlich lässt sich selbst die CIA immer wieder neue Foltermethoden einfallen.

PEN-Zentrum Deutschland

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