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Literatur : Paulo Scott: «Beim Thema Rassismus haben wir versagt»

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Die Mehrheit der Brasilianer trägt afrikanisches oder indianisches Blut in sich. Das Land mit mehr als 200 Millionen Einwohnern - Gast der Frankfurter Buchmesse - sieht sich gern als «Rassendemokratie». Doch die Realität sehe anders aus, beklagt der Autor Paulo Scott (46).

In seinem soeben auf Deutsch erschienenen Roman «Unwirkliche Bewohner» erzählt Scott die tragische Beziehung eines Studenten zu einer Indianerin. Am Samstag (7.9.) kommt der in Rio lebende Scott, der nicht zur Delegation bei der Buchmesse gehört, zum Literaturfestival nach Berlin. Auch in Stuttgart (10.9.), Frankfurt (12.9.) und München (1.10.) sind Auftritte geplant.

Frage: In Ihrem Roman schaffen es die Guaraní-Indianerin Maína und der sozial engagierte Jura-Student Paulo letztlich nie, die Mauern zu überwinden. Der gemeinsame Sohn wird dann so etwas wie der Hoffnungsträger. Was hat Sie zu dem Buch inspiriert?

Antwort: Es handelt von meiner eigenen Generation. Wir haben einmal geglaubt, dass wir es schaffen, dass bei uns alles gerechter zugeht und wir den Rassismus überwinden können. Doch wir waren Träumer und haben versagt. Dabei sind die meisten Brasilianer wie ich, der neben portugiesischem auch schwarzes und indianisches Blut in sich hat, einfach «Promenadenmischungen».

Frage: Wer gehört in Brasilien vor allem zu den Opfern des Rassismus?

Antwort: Der Rassismus gegen Schwarze ist stark, aber am meisten haben die Indianer darunter zu leiden. Das liegt daran, dass sie unsichtbar sind. Nicht nur, weil die meisten fernab im Urwald leben. Keiner achtet auf sie, auch nicht in den großen Metropolen, wo sie Holzspielzeug verkaufen. Jeden Tag werden Indianer getötet, ihre Führer verhaftet. Und alles geht auf das Grundübel unseres Landes zurück, den Kampf um Land.

Frage: Woher beziehen Sie ihr Wissen über die Guaraní?

Antwort: Ich habe viel gelesen, und ich habe viel mit Guaraní gesprochen. Es ist aber nicht einfach. Manchmal habe ich einfach an den großen Hauptstraßen angehalten und habe dort mit den Leuten gesprochen, die dort Sachen verkaufen.

Frage: War es für Sie nicht schwierig, sich in eine Guaraní-Indianerin einzufühlen?

Antwort: Ich versuche im Buch nie, Dinge zu beschreiben, über die ich nichts weiß. Inspiriert wurde ich von einem Guaraní-Mädchen, das ich an einer großen Straße getroffen habe. Sie wollte Portugiesisch lernen, was Guaraní-Frauen normalerweise nicht sprechen. Das tun nur die Männer. Dazu hat sie Zeitschriften aufgesammelt, die auf der Straße herumlagen.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 10:57 Uhr

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