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Literatur : Österreichische Literatur punktet mit «Schmäh»

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Österreicher sind bekannt für ihren oft eigenwilligen Humor: Mit einer Portion Melancholie, Sarkasmus und einem großen Schuss Morbidität präsentieren vor allem die Wiener ihren sogenannten «Schmäh» nur allzu gerne.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2013 | 09:43 Uhr

Die Mentalität schlägt sich auch in der Literatur der Alpenrepublik nieder. Der Trend geht weg vom schweren Zynismus eines Thomas Bernhard, hin zu leichterer Kost. Die Texte sollen bevorzugt auch die Landsehnsucht der Leser befriedigen.

Garant für skurrile Geschichten in allen Medienformen ist David Schalko: Der Regisseur, Drehbuch- und Romanautor präsentiert zur Zeit eine Mischung aus Krimi, Beziehungstragödie und Gesellschaftssatire. Sein dritter Roman «Knoi» (Jung und Jung) besticht mit schrägen Vögeln: Da hat ein Zahnarzt nur mit schlafenden oder betäubten Frauen Sex und ein Reiseführerautor reist grundsätzlich nicht.

Die Konzepte des 40-Jährigen bringen seit Jahren verlässlich traumhafte Quoten im TV: Im vergangenen Jahr sorgte Schalko mit der abstrusen Kurz-Serie «Braunschlag», die die oft dunkle österreichische Seele mit Starbesetzung beleuchtete, für euphorische Kritiken. In der Serie fingieren der bauernschlaue Bürgermeister eines kleines Dorfes und der dauerbetrunkene Discobesitzer eine Marienerscheinung, um an Geld zu kommen.

Mit seinem Roman «Weiße Nacht» handelte sich Schalko sogar eine Klage vom ehemaligen Vertrauten des verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider ein. Der rechtspopulistische Politiker Stefan Petzner erkannte sich in dem teilweise grotesk überzeichneten fiktiven Liebesepos offenbar wieder. Er scheiterte aber vor Gericht.

Als Meister des österreichischen «Schmäh» etablierte sich Wolf Haas. Der gebürtige Salzburger wurde mit den Krimiromanen rund um den verschrobenen Provinz-Kommissar Simon Brenner berühmt. Haas erreichte mit dem urösterreichischen Krimihelden Kultstatus. Kabarettist Josef Hader schlüpfte in Filmen bereits dreimal in seine Rolle. Im Juli wurde die neueste Verfilmung von «Das ewige Leben» bekanntgegeben.

Nachdem sich Haas nach sieben Teilen von Brenner verabschiedete, präsentierte er 2012 sein neuestes Werk, den Liebesroman «Verteidigung der Missionarsstellung» (Hoffmann und Campe). Darin präsentiert er eine Liebesgeschichte mit anarchischem Witz.

Als größte Nachwuchshoffnung reiht sich Vea Kaiser in die Riege neuer Autoren herzhafter Lektüre ein: Mit ihrem ganz eigenen Charme machte die 24-Jährige mit ihrem ungewöhnliche Erstlingswerk auf sich aufmerksam. In «Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam» (Kiepenheuer & Witsch) erzählt die junge Autorin Kaiser eine schräge Geschichte im Stil einer Alpensaga.

Das raffiniert geschriebene Buch, das 2012 erschien, sorgte bei den Lesern für reichlich strapazierte Lachmuskeln. Nicht zuletzt wegen des pointiert dargestellten Zusammenstoßes der österreichisch-deutschen Kulturen, als ein Hamburger Fußballverein zu Besuch ins abgeschiedene Bergdorf kommt.

Besonders gut vom Publikum werden Geschichten aufgenommen, die ländliches Kolorit verbreiten, bestätigt der Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, Gerald Schantin: «Viele planen ihren Urlaub dann sogar danach.» Generell habe sich diese Literaturszene in den vergangenen zehn Jahren stark entwickelt. «Dabei wird oft die österreichische Sprache verwendet und insgesamt der österreichische Charme und Sarkasmus verarbeitet», so Schantin.

Auch nach Österreich ausgewanderte Deutsche verwerten ihre Erfahrungen mit der Alpenrepublik gerne literarisch. Als Liebeserklärung an Österreich verstand Kabarettist Dirk Stermann, der seit über 25 Jahren in Wien lebt, sein Romandebüt «6 Österreicher unter den ersten 5»: Ein Panoptikum österreichischer Skurrilitäten aus Sicht eines integrationswilligen «Piefke». Selten wurde dabei der typisch «grantelnde» Wiener so schön beschrieben.

Sein zweiter Roman «Stoß im Himmel. Schnitzelkrieg der Kulturen» (Ullstein Verlag), der in diesem Jahr auf den Markt kam, beleuchtet ebenfalls die kulturelle Unterschiede der zwei Länder mit einer unterhaltsamen wie melancholischen Familien- und Liebesgeschichte. Einmal wöchentlich flimmert Sterman in einer eigenen Satire-Sendung - Schalko fungiert als Produzent - mit dem Kollegen Christoph Grissemann über die Bildschirme. Eines der sieben gemeinsamen Bücher, die Tragikkomödie «Immer nie am Meer», schaffte es 2007 ins Kino.

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