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Literatur : Norbert Gstreins hat «Eine Ahnung vom Anfang»

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Ein Lehrer meint, seinen einstigen Lieblingsschüler Daniel als möglichen Urheber einer stümperhaft gebauten Bombe samt telefonischer Drohung erkannt zu haben. Was tun, zur Polizei gehen oder den vagen Verdacht von einem Fahndungsfoto für sich behalten?

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2013 | 14:17 Uhr

Der Österreicher Norbert Gstrein schickt den Lehrer in «Eine Ahnung vom Anfang» auf eine erst spannende, mit zunehmender Dauer aber verworrenere und am Ende trotz tatsächlicher Bombenexplosion als Rohrkrepierer endende Suche nach Antworten.

Zuletzt hatte der 52-Jährige 2010 einen von der Kritik überwiegend ungnädig aufgenommenen «Schlüsselroman» über die Suhrkamp-Verlegerin Ulla Berkewicz mit dem Titel «Die ganze Wahrheit» vorgelegt. Im neuen Roman sucht der Lehrer als Ich-Erzähler die ganze Wahrheit.

Er blendet zurück auf einen zehn Jahre zurückliegenden Sommer, den er gemeinsam mit Daniel als Teenager und dessen bestem Freund in einer verfallenen Mühle am Fluss einer österreichischen Kleinstadt zugebracht hat. Könnte er am Ende durch seinen enormen Einfluss auf den Jungen Mitverantwortung für die Entwicklung gewalttätiger Neigungen tragen? Gstrein spinnt dabei allerlei Erzählfäden, vom unvermeidlichen Getuschel in der Kleinstadt zu möglicherweise Unschicklichem zwischen Lehrer und Schüler über leicht wahnhafte religiöse Anwandlungen Daniels bis zum Selbstmord eines Bruders als immerwährende innere Last für den Lehrer.

Die Suche nach dem Ex-Schüler und dessen möglichen Motiven wird so auch zur Selbstbefragung. Ohne dass irgendwann ein organisches Ganzes daraus wird oder Entwicklung erkennbar ist. Im Gegenteil. Mit zunehmender Dauer ermüdet der Roman immer mehr durch immer neue folgenlosen Dialoge zu hypothetischer innerer Motivforschung, in denen es wimmelt von «er hätte», «er könnte» oder auch «ich sollte».

Wenn am Ende tatsächlich ein Bombenleger bei einer Explosion stirbt und vom Lehrer identifiziert werden soll, ist man nur noch mäßig interessiert an der Frage, ob der Tote Daniel ist oder nicht. 350 Seiten haben weder den Schüler noch seinen sich selbst so intensiv erforschenden Lehrer dem Leser wirklich nähergebracht.

- Norbert Gstrein, Eine Ahnung vom Anfang. Hanser Verlag, München, 352 Seiten, 16,99 Euro, ISBN 978-3-446-24441-2

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