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Literatur : Nobelpreis: «Wenn man aufhört zu hoffen, dann klappt's»

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Wenige Sekunden nach der Entscheidung in Stockholm bricht auf der Frankfurter Buchmesse der Sturm los. Literaturnobelpreis für Alice Munro: Ältere Herren liegen einander in den Armen, Mitarbeiter bauen Verlagsstände um, und wieder stehen die Kamerateams an der falschen Stelle.

Diesmal hatten sich die Journalisten am Stand des Hanser Verlags in Stellung gebracht. Die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch war am Vormittag als Favoritin gehandelt worden. Als der Name «Munro» fällt, rennen alle los, einen Stock höher zu S. Fischer. «Also!» und «Was...?» rufen überraschte Passanten.

Noch bevor die Medien eintreffen, werden bei Fischer schon weiße Banderolen mit der Aufschrift «Nobelpreis für Literatur 2013» hervorgeholt. Alle hatten zunächst auf das Display ihres Smartphones gestarrt, die Anspannung wuchs - dann Jubelschreie.

Viele Jahre habe man vergeblich gehofft, sagt der Programmchef für Internationale Literatur, Hans-Jürgen Balmes. «Man bereitet sich immer wieder ein bisschen darauf vor und denkt, dieses Jahr wird es klappen. Dann hört man irgendwann auf zu hoffen - und dann klappt's.» Nach wenigen Minuten kommt Verleger Jörg Bong dazu: Umarmung, Schulterklopfen, Rührung.

«Sie schreibt vom Allerkompliziertesten: nämlich von den einfachen Dingen», sagt Bong. «Sie inszeniert Kammerspiele des Gefühls», findet Balmes. Sie beschreiben die 82-Jährige als «unfassbar beeindruckende Person» und werden nicht müde, Fragen zu beantworten: «Wir sind so begeistert: Wir sagen gern alles nochmal.»

Nebenan telefoniert eine Mitarbeiterin die inzwischen pensionierte Lektorin herbei, die Munro für den Verlag entdeckt hat. «Sie müssen herkommen! Das ist Ihr Verdienst», ruft sie ins Telefon. «Los, bringt alle Bücher her», ruft eine andere quer über den Stand. Sieben Titel hat S. Fischer im Programm. Das letzte Buch wird gerade übersetzt - von einer Dame im Alter der Autorin. Eigentlich sollte «Dear Life» erst im Frühjahr fertig werden, «aber jetzt müssen wir uns beeilen», sagt der Programmchef.

Die Nachricht spricht sich auf der Buchmesse in Sekundenschnelle herum. In einer Halle nennt Literaturkritiker Denis Scheck Munro eine «sensationelle Wahl», in einer anderen gibt Kollege Hellmuth Karasek zu: «Sie ist die Lieblingsautorin meiner Frau, sie hat mir ihre wunderbaren Kurzgeschichten immer empfohlen, aber ich habe bis heute keine einzige gelesen.» Auch Autor Martin Walser musste passen.

Enttäuschung bei Hanser? «Nein, nein, nein», wiegelt Verleger Michael Krüger ab - auch wenn man zuvor einen kollektiven Seufzer gehört hatte. «16 Leute haben die verschiedensten Geschmäcker. Das kann keiner voraussagen.»

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erstellt am 10.Okt.2013 | 15:31 Uhr

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