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Literatur : Literatur-Experte: US-Autoren sind nobelpreiswürdig

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Seit Jahren gehören US-Amerikaner zu den Top-Favoriten für den Literaturnobelpreis. Trotzdem hat seit Jahrzehnten kein Autor aus den USA gewonnen. Warum das so ist, erklärt Martin Klepper, Professor für Amerikanistik an der Humboldt-Universität in Berlin, im dpa-Interview:

Frage: Seit 20 Jahren ging kein Literaturnobelpreis in die USA - woran liegt das?

Antwort: Das sehe ich jetzt weniger in der amerikanischen Literatur begründet als darin, dass das natürlich auch immer eine politische Entscheidung ist. In den letzten Jahren war es notwendig - und auch vom Nobelpreis-Komitee so gewollt -, dass man versucht, die Vielfalt der Literaturen zu repräsentieren. Die USA hatten den Preis 1976, 78, 87 und 93 erhalten. Jetzt waren eben Japan, Irland, Portugal, Südafrika, die Türkei, Peru und China dran.

Frage: Die US-Autoren scheinen in Schweden trotzdem nicht gut anzukommen. Ein Jurymitglied hatte der US-Szene vor einigen Jahren vorgeworfen, sie sei zu anfällig für Trends.

Antwort: Was heißt trendanfällig? Amerikanische Autoren waren eigentlich immer sehr sensibel für die Probleme und Themen, die eine Gesellschaft umtreibt. Die amerikanische Literatur ist eigentlich immer sehr viel stärker an der Gesellschaft, an sozialen und politischen Probleme orientiert als das vielleicht in anderen Literaturen der Fall ist.

Frage: Und auch am Zeitgeist?

Antwort: In Amerika ist natürlich die Populärkultur viel, viel wichtiger als bei uns. Sie gehört sozusagen von Anfang an zum nationalen Selbstverständnis. Die Vermischung von hoher Literatur und Populärkultur ist ausgeprägter. Man kann schon sagen, dass die amerikanische Literatur anti-elitistischer ist als die in Europa. Sie ist vielleicht auch etwas weniger abstrakt.

Frage: Warum sollte die US-Literatur trotzdem ausgezeichnet werden - und vor allem: welcher Schreiber?

Antwort: Schwierige Frage. Wenn man von der Stärke der amerikanischen Literatur redet, dann redet man von der Vielfalt. Thomas Pynchons Werk ist sicherlich nobelpreiswürdig, genauso das von Philip Roth. Es gibt natürlich aber eine Menge jüngerer Autoren, die sich dadurch auszeichnen, dass sie auch Migrationserfahrungen thematisieren. Es gibt asiatisch-amerikanische Literatur, es gibt die Literatur der neueren Einwanderer aus afrikanischen Staaten. Und das macht die amerikanische Szene so lebendig: Dass diese Globalisierungserfahrungen immer wieder thematisiert werden.

HU-Seite Klepper

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erstellt am 27.Sep.2013 | 14:17 Uhr

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