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Literatur : Hochspannung garantiert: Karin Slaughters «Harter Schnitt»

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Achtung Verletzungsgefahr: Karin Slaughters neues Buch «Harter Schnitt» erzeugt Hochspannung. Zwischen den Polen Liebe und Hass, Redlichkeit und Unmoral, Loyalität und Verrat entsteht ein Wechselstrom, der auch hartgesottene Krimi-Fans vibrieren lässt.

Wie so oft hat die amerikanische Autorin ihr Operationsfeld nach Georgia verlegt, ins Grant County. Und auch die Protagonisten sind Altbekannte: Faith Mitchell und ihr Partner Will Trent vom Georgia Bureau of Investigation (GBI), deren Chefin Amanda Wagner und Rechtsmedizinerin Sara Linton. Sie alle werden in einen ganz persönlichen Fall hineingezogen, aus dem keiner ohne innere und äußere Blessuren davonkommt.      

Und er beginnt gleich mit einem Paukenschlag: Faith, die vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter Emma wieder ins Arbeitsleben zurückgekehrt ist, hat sich ihren Relaunch völlig anders vorgestellt: Nach Feierabend wird sie im Haus ihrer Mutter, die sich tagsüber um Emma kümmern soll, von einem Blutbad überrascht. Die Leiche eines Unbekannten liegt in der Wäschekammer, zwei bewaffnete Männer befinden sich im Schlafzimmer. Den einen erschießt Faith an Ort und Stelle, den anderen auf der Flucht. Die Mutter ist verschwunden. Doch ist es ihr anscheinend gelungen, Baby Emma vorher noch im Schuppen zu verstecken. Faith findet das Kind unversehrt.      

Noch ist die junge Frau von den Ereignissen und der Angst um die Mutter paralysiert. Doch auch als ihre Lebensgeister zurückkehren, kann sie nicht tätig werden, da sie gleichzeitig Zeugin, Verdächtige und zudem die Tochter einer Vermissten ist. Amanda Wagner und Will Trent beginnen mit den Ermittlungen, die wegen eines Zuständigkeitsgerangels mit der örtlichen Polizei nicht gerade unter einem günstigen Stern stehen. Und auch zwischen den Agents gibt es Zwist, da die Chefin wichtige Informationen für sich behält. Trent sucht die Hilfe - und Nähe - der Ärztin Sara Linton. Sie wird ihm beistehen und gerät prompt in größte Gefahr und einen persönlichen Konflikt.      

Ohne zu viel zu verraten: Klar ist beizeiten, dass der aktuelle Fall mit früheren Ereignissen zusammenhängt; aus Zeiten, als Faith noch ein Teenager war und als rebellische Tochter ihre Familie stark in Verlegenheit gebracht hatte. Auch Will und Sara werden immer wieder mit Vergangenem konfrontiert, was ihren Umgang miteinander nicht unbedingt erleichtert. Der ganze Fall mit seinen kruden Auswüchsen führt in einen Sumpf kapitaler Verbrechen, die in alle Gesellschaftsschichten hineinreichen. Fatales Fehlverhalten gepaart mit unglücklichen Zufällen auf der «guten» wie auf der «bösen» Seite bilden das Gerüst dieses Thrillers, das ein wenig überfrachtet ist.

Die Brutalität und Unversöhnlichkeit der Bösewichter in «Harter Schnitt» sind hier und da zu stereotyp, und manche Reaktionen der Gutmenschen scheinen mitunter überzogen. Was soll's: Die 42-jährige Slaughter, deren Werke in 30 Sprachen übersetzt wurden, brilliert einmal mehr damit, heiße Eisen anzufassen (z.B. Korruption im Polizeiapparat, Bandenkriminalität) sowie mit ihrem unbeirrbaren Drang, die dunkle Seite des menschlichen Wesens zu erfassen. Und wie schon gesagt: Fesselnd sind ihre Bücher immer.

Karin Slaughter: Harter Schnitt, Blanvalet Verlag München, 512 S., 19,99 Euro, ISBN 978-3-76450-415-1

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erstellt am 24.Sep.2013 | 12:31 Uhr

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