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Literatur : Hemingway und Fitzgerald: Freundschaft in Briefen

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Berlin (dpa) – Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die amerikanische Literatur eine gewaltige Erneuerung. Eine neue Generation von Autoren hatte durch den Krieg den Glauben an alte Wahrheiten verloren und gab ihrer Suche nach neuen Werten Ausdruck in einer inhaltlich wie formal modernen Literatur.

Die beiden populärsten und am nachhaltigsten erfolgreichen Vertreter dieser Generation waren Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald. 1925 trafen sie sich in Paris, damals die inoffizielle Hauptstadt des literarischen Amerika, und blieben bis zu Fitzgeralds Tod im Jahr 1940 in Freundschaft verbunden. Auch wenn sie sich in späteren Jahren nur selten persönlich trafen, so hielten sie Kontakt mit Briefen. Eine neue Zusammenstellung ihrer Korrespondenz, manches erstmals in deutscher Übersetzung verfügbar, zeigt die beiden als Freunde und gegenseitige Kritiker.

Als sie einander über den Weg liefen, waren sie beide an zentralen Momenten ihrer Karrieren angekommen. Allerdings verliefen ihre Karrieren in unterschiedliche Richtungen. Der Starautor Fitzgerald hatte gerade mit seinen Roman «Der große Gatsby» den Zenit seines Schaffens und seines Erfolges erreicht. Was folgte, waren Jahre voller Schreibblockaden, Frustrationen und persönlicher Katastrophen.

Genau gegensätzlich verlief Hemingways Entwicklung. Drei Jahre jünger als Fitzgerald war er gerade dabei, einen Verleger für seine ersten Erfolge «In unserer Zeit» und «Fiesta» zu finden. Innerhalb kürzester Zeit war seine kraftvolle Stimme eine der prägnantesten der amerikanischen Literatur und Hemingway selbst ein Star.

Die Briefe, die die beiden einander schrieben, reflektieren diese Entwicklungen pointiert. Gemeinsame Bekannte in Paris werden spöttisch kommentiert. Vor allem aber wird der Literaturbetrieb analysiert und Empfehlungen entstehen, wie man ihn am besten überlisten kann. Auch die Sorgen des täglichen Lebens, von Hemingways Scheidung bis hin zu Fitzgeralds Geldproblemen, teilen sie einander mit.

Im Mittelpunkt des Briefwechsels steht – natürlich - die Literatur. Die spannendsten Teile des Buches sind die Briefe, in denen die beiden die Manuskripte des anderen ausführlich analysieren. Da sind sie in ihrem ureigenen Element und gehen bei aller Freundschaft ziemlich gnadenlos mit den Texten des anderen ins Gericht. So kommentiert Fitzgerald «Fiesta» mit den Worten: «Ich finde einige Teile nachlässig erzählt. Du erzielst keine Wirkung.» Zugleich lobt er jedoch auch: «Nicht mehr lange, und Du wirst vor dem Wagen der jüngeren Generation hermarschieren.»

Bei Hemingway ist das wachsende Selbstvertrauen sehr deutlich zu spüren. Anfangs noch der fast schüchterne Novize, sieht er sich immer mehr als Star, der es sich leisten kann, Ratschläge zu erteilen. So empfiehlt er Fitzgerald immer wieder, seinen Roman zu beenden statt Geschichten für Magazine zu schreiben, auf deren Honorare er angewiesen ist.

Als Fitzgerald dann 1934 endlich nach Jahren verzweifelter Arbeit «Zärtlich ist die Nacht» veröffentlicht und vorsichtig fragt, «Hast Du das Buch gemocht», weiß Hemingway kaum, wie er seine Enttäuschung verbergen soll: «Ich mochte es, und ich mochte es nicht. Es bleibt weit unter deinen Fähigkeiten.»

Bei aller Kritik zeigt sich Hemingway großzügig dem Schriftsteller-Freund gegenüber: «Eigentlich sind wir verdammt lausige Akrobaten, aber wir machen manchmal ein paar verdammt tolle Sprünge. Schreib, um Gottes Willen, und sorge Dich nicht.» Leider sind nicht alle Briefe erhalten, die die beiden Autoren einander geschrieben haben. So stehen manche Passagen im Buch beziehungslos da. Aber trotz aller Lücken vermittelt die Sammlung ein faszinierendes Bild einer spannenden Phase der amerikanischen Literaturgeschichte und gibt faszinierende Einblicke in die Entwicklung zweier schillernder Autoren.

- F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway: Wir sind verdammt lausige Akrobaten. Eine Freundschaft in Briefen. Herausgegeben von Benjamin Lebert. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 158 Seiten, Euro 17,99, ISBN 978-3-455-40466-1

«Wir sind verdammt lausige Akrobaten» beim Verlag Hoffmann und Campe

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erstellt am 03.Sep.2013 | 11:21 Uhr

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