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Literatur : Groteske Krimikomödie: «Der Friseur und die Kanzlerin»

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Ein verrückter Friseur, ein undurchsichtiges Terrorkomplott und eine mürrische Angela Merkel sind die Zutaten von Eduardo Mendozas neuem Schelmenroman «Der Friseur und die Kanzlerin».

Die groteske Kriminalgeschichte spielt einmal mehr in Barcelona, der geliebten Heimatstadt des katalanischen Schriftstellers. Doch Barcelona ist hier nicht mehr die glanzvolle «Stadt der Wunder», die er einst in seinem berühmten Bestseller beschrieb, sondern eine von der Eurokrise gebeutelte Metropole.

Die Menschen versuchen sich irgendwie über Wasser zu halten, etwa indem sie als «lebende Statuen» auf den Ramblas posieren oder anderen prekären Beschäftigungen nachgehen. Der namenlose Held des Romans wartet in seinem Friseursalon Tag für Tag vergeblich auf Kunden. Für Mendoza-Kenner ist der Friseur ein guter alter Bekannter. Schon in den Büchern «Das Geheimnis der verhexten Krypta» und «Niemand im Damensalon» spielte er eine Hauptrolle. Für alle anderen wird seine Vergangenheit am Anfang des Buches in Kurzform nachgereicht.

Bevor der Mann einen Damensalon aufmachte, residierte er in einer Irrenanstalt, wurde dann jedoch auf die Straße gesetzt. Sein kriminalistischer Spürsinn, den er immer wieder unter Beweis stellt, scheint die Vermutung nahezulegen, dass es sich bei ihm eher um den Typ des genialen Irren handelt. Da die Kundschaft ausbleibt, kann sich der Friseur anderweitig die Zeit vertreiben. Er ist in Sorge um einen alten Kumpel aus Anstaltszeiten.

Romulus der Schöne ist spurlos verschwunden, und der Friseur wittert nicht zu Unrecht, dass sein Bekannter wieder in kriminelle Machenschaften verwickelt ist. Um den Dingen auf den Grund zu gehen, rekrutiert er in seinem Viertel eine bunte Truppe aus Gelegenheitskünstlern, einem Pizzaboten und einer 13-jährigen Göre und schweißt sie zu einem investigativen Team zusammen. Was die Freizeitdetektive in Erfahrung bringen, ist allerdings noch weit schlimmer als befürchtet: Romulus der Schöne scheint in einen Terroranschlag verwickelt zu sein. Ziel des Anschlags ist niemand Geringeres als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zu einem Besuch in Barcelona erwartet wird.

Nun kennt der wackere Friseur nur noch eine Mission: Er muss die Kanzlerin retten. Doch bevor es soweit ist, werden der Friseur und seine Freunde noch in haarsträubende, turbulente Geschichten hineingezogen, bei denen ein undurchsichtiger Yogalehrer, eine chinesische Krämerfamilie und nicht zuletzt die umwerfend schöne Lavinia eine nicht unwichtige Rolle spielen. Am Ende sieht der Friseur nur einen Weg zur Rettung der Kanzlerin: Seine Schwester Candida, eine Ex-Prostituierte, muss Angela Merkels Rolle einnehmen, mit perfekt gestylter Frisur versteht sich. Denn als Meister seines Fachs hat der Friseur erkannt, dass Merkels «Frisur nicht auf der Höhe ihres Amtes ist».

«Der Friseur und die Kanzlerin» ist eine mit barocker Sprachlust erzählte Slapstick-Komödie mit einer genial-verrückten Hauptperson. Das Ganze ist gewürzt mit bissigen Hinweisen auf die aktuelle Eurokrise, etwa wenn der Friseur in einer Szene davon spricht, dass Schwester und Schwager weiterhin die Rente der verstorbenen Schwiegermutter kassieren. Manchmal allerdings treibt es Mendoza zu weit mit seinen fantastischen Einfällen, der überbordenden Fantasie und fabulierenden Weitschweifigkeit. Ein bisschen mehr Disziplin hätte der Geschichte und dem Lesegenuss gut getan.

- Eduardo Mendoza: Der Friseur und die Kanzlerin. Nagel & Kimche, München, 288 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-312-00575-8

Eduardo Mendoza

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erstellt am 19.Aug.2013 | 00:19 Uhr

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