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Literatur : Grishams «Komplott»: Vom Justizkrimi zum Abenteuerroman

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John Grisham feiert seit über 20 Jahren Erfolge mit Thrillern über Anwälte und ihre Fälle.

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2013 | 11:57 Uhr

Auch in seinem neuen Roman «Das Komplott» dreht sich alles um einen Anwalt, aber Malcolm Bannister, Hauptfigur und Erzähler des Romans, unterscheidet sich ganz erheblich von seinen Vorgängern. Nicht nur, dass er Afroamerikaner ist, er sitzt auch im Gefängnis.

Der Kleinstadtanwalt hatte sich aus Naivität auf ein windiges Immobiliengeschäft eingelassen und muss jetzt wegen Geldwäsche 10 Jahre absitzen. Um die zweite Hälfte dieser Strafe erlassen zu bekommen, nutzt er ein obskures Gesetz und bietet als Gegenleistung für eine Freilassung Informationen über die Ermordung eines Bundesrichters ein.

Grisham (58) zeigt seine Kenntnisse des amerikanischen Rechtssystems und beschreibt sehr spannend, wie der Deal zustande kommt, Bannister eine neue Identität bekommt und sich die Ermittler mit fragwürdigen Mitteln daran machen, den von Bannister genannten Mann dazu zu bringen, den Richtermord zu gestehen. Es bleibt fraglich, ob Gerechtigkeit geschehen ist, aber Bannisters Komplott hat ihm die Freiheit gebracht.

So weit, so gut. Aber Grisham wäre nicht Grisham, ließe er die Geschichte um Malcolm Bannisters damit auf sich beruhen. In der zweiten Hälfte des Romans zeigt er, dass er sich ein Komplott ausdenken konnte, das noch weitaus komplizierter und spannender ist als der juristische Kampf um die Freilassung.

Kaum in Freiheit und mit anderer Identität und anderem Gesicht ausgestattet, unternimmt Bannister eine ganze Reihe unerklärlicher und von ihm selbst auch nicht erläuterter Aktivitäten. Er reist in die Karibik, gründet eine Filmfirma und macht sich daran, einen Dokumentarfilm über Polizeigewalt zu drehen. Was das alles soll, bleibt erst einmal offen.

Je weiter der Roman voranschreitet, umso mehr verändert er seinen Charakter. Bannister verfolgt sein Ziel, ohne sich viele Gedanken über Recht und Gerechtigkeit zu machen. Er wird immer mehr zum Helden eines Abenteuerromans, in dem die Leser rätseln, wie der nächste Schritt aussehen wird und sich beständig fragen, wo die Handlung überhaupt hinführen soll.

Bannister muss sich ermahnen, vorsichtig zu sein, denn «ein unvorsichtiges Wort könnte sich später als fatal erweisen». Die Geschichte wird allmählich so abenteuerlich und unübersichtlich, dass selbst der große Strippenzieher Bannister nicht mehr mitkommt. «Immer wieder ermahne ich mich, nicht den Überblick zu verlieren und einen Schritt nach dem anderen zu machen.»

Natürlich löst Grisham am Ende alle Rätsel auf. Aber es bleibt eine Reihe von Fragen offen. Sind Recht und Unrecht in dieser Form gegeneinander austauschbar? Gibt es überhaupt so etwas wie Gerechtigkeit? Diese Fragen machen «Das Komplott» weitaus tiefgründiger, als es die spannende Handlung auf den ersten Blick nahelegt.

- John Grisham: Das Komplott. Heyne Verlag, München, 445 Seiten, Euro 22,99, ISBN 978-3-453-26817-3

«Das Komplett» beim Heyne Verlag

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