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Literatur : Gabriel Roths «Gleichung mit einer Unbekannten»

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Eigentlich ist das Konzept simpel: Junger Mann, intelligent, steinreich und solo sucht die richtige Frau. Doch was Gabriel Roth aus den Komponenten mixt, ist alles andere, nur nicht einfach.

Seine «Gleichung mit einer Unbekannten» scheint eine nahezu unlösbare Aufgabe. Was auch immer der Leser an Erkenntnis für sich am Ende beanspruchen wird - der Roman des 40-Jährigen ist ein gelungener Versuch, das Thema Liebe aus ungewöhnlicher Perspektive anzugehen. Und ist nebenbei in einer Zeit, in der Daten nicht mehr sicher sind, auch noch hochaktuell.

Der britische Autor, der inzwischen in New York lebt, hat den Haupthandlungsort nach San Francisco verlegt. Dort hat sich der junge Eric Muller eingenistet, nachdem er gemeinsam mit einem anderen Computergenie eine Software entwickelt und für Millionen verkauft hat. Es fehlt ihm fast an nichts, schon gar nicht an Langerweile. Das einzige und mittlerweile für ihn bedeutsamste Defizit ist eine Frau. Nicht irgendeine, sondern die wahre, die große Liebe. Und dann sieht er sie - auf der öden Party einer guten Freundin.

Eric geht die Eroberung Mayas ganz programmatisch an, was noch lange nicht bedeutet, dass sein Weg auch programmierbar ist. Das muss der Computerfreak schon bald feststellen. Es sind starke Passagen, wie der Nerd jeden Schritt abwägt, dessen mögliche Folgen nahezu wissenschaftlich analysiert, verschiedene Lösungen gedanklich durchgeht und - wie im Klappentext gleichermaßen über den Autoren gesagt wird - zwischen «Narzissmus und Neurose» pendelt. Dieses analytische Verhalten legt Eric im Übrigen auch schon in der Schulzeit an den Tag, wenngleich er als Junge verständlicherweise eher unsicher daherkommt.

Die Kinder- und Jugenderlebnisse des Helden sind ebenso amüsant wie überzeugend beschrieben. Peinlichkeiten, die neben Mitleid stets auch ein Lächeln hervorrufen, tun ihr Übriges: Eric ist ein Sympathieträger, auch im Erwachsenenalter. Das schwierige Verhältnis zu den Eltern ist ein Punkt mehr, den Roth besser nicht hätte beschreiben können. Genauso der zwischenmenschliche Hauptpart zwischen Eric und Maya. Einzig die für Laien manchmal etwas komplizierten Auslassungen über Erics (und Roths) Spezialität, der Datenverarbeitung und Softwareentwicklung sind wohl nicht jedermanns Sache.

Wer will, kann in Maya die Unbekannte in der Gleichung sehen. Roth bringt jedoch eine Komponente ins Spiel, die die eigentliche Unbekannte ist und für seine Romanentwicklung ausschlaggebend sein wird: sexueller Missbrauch. Ob damit die Rechnung am Ende aufgeht oder nicht, das muss jeder selbst herausfinden.

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erstellt am 03.Sep.2013 | 11:21 Uhr

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