zur Navigation springen

Literatur : Erster Roman von US-Autor Salter seit 30 Jahren

vom

Eigentlich wäre dieser Roman doch gar nicht mehr nötig gewesen, schrieb die «New York Times». James Salter sei sowieso schon im literarischen Olymp.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2013 | 15:27 Uhr

«Sein Ruf ist ihm so sicher, er hat nichts mehr zu beweisen. Wenn es einen Mount Rushmore für Schriftsteller gäbe, wäre er bereits dort. Er hätte nichts veröffentlichen können und niemand hätte schlechter von ihm gedacht.» Salter sitzt im Wintergarten seines kleinen Häuschens im New Yorker Nobelvorort Bridgehampton und winkt ab. «Dieses Mount-Rushmore-Ding. Da sind wohl ein bisschen die Pferde mit der "New York Times" durchgegangen, das ist aufgeblasen.»

Der vielfach preisgekrönte Autor ist inzwischen 88 Jahre alt, seine Stimme zittert leicht und seine Energie lässt nach, besonders Nachmittags. Trotzdem hat er gerade wieder einen Roman veröffentlicht - den ersten seit fast 35 Jahren. Die Erwartungen an das jetzt in Deutschland und in den USA bereits im April erschienene Werk «Alles, was ist» waren riesengroß, aber die Begeisterung der Besprechungen sind fast noch größer.

Salter sei «erstaunlich gut», schrieb der britische «Guardian», und die «New York Times» jubelte: «Dieser Roman lässt die vergangenen vier Dekaden in einem komplett neuen Licht erscheinen.» Das Buch habe Wiedererkennungswert, sei aber trotzdem «frappierend originell». «Niemand außer Salter hätte es schreiben können» und es sei der Beweis, «dass dieser literarische Löwe immer noch sehr auf der Jagd ist».

«Alles, was ist» erzählt das Leben von Philip Bowman, der als junger Mann den Krieg im Pazifik überlebt, dann studiert und Lektor bei einem angesehenen Verlag wird. Auch mit den Frauen scheint zunächst alles gut zu laufen, doch dann gerät sein von außen so perfekt scheinendes Leben aus den Fugen. Salter, der rund zehn Jahre an dem Buch gearbeitet hat, erzählt das alles wie immer behutsam, originell und unterhaltend, mit wunderschönen Worten und Sätzen und genauesten Beobachtungen. So packt er viele Jahrzehnte in wenige Hundert Seiten und trotzdem wirkt nichts überladen.

Salters eigenes Leben erinnert ein wenig an das von Bowman. Auch er war beim Militär und wechselte dann in die Literatur-Welt, allerdings als Schriftsteller. Mit seinen ersten Romanen «Ein Spiel und ein Zeitvertreib», «In der Wand» und «Lichtjahre» feierte er in den fünziger, sechziger und siebziger Jahren große Erfolge und schrieb außerdem erfolgreich Drehbücher für Hollywood. Doch dann wurde es ruhiger um Salter. Er veröffentlichte Erzählungen, eine Autobiografie und zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Kay Eldredge, ein Kochbuch.

Bis heute gilt Salter trotz all seiner Erfolge als längst nicht so bekannt und verkaufsstark wie andere US-Autoren seiner Generation, beispielsweise Philip Roth oder der 2009 gestorbene John Updike. Der britische «Guardian» bezeichnete Salter sogar als den «vergessenen Helden der US-Literatur».

Vielleicht könne «Alles, was ist» das ändern, mutmaßt die «New York Times». Es sei nicht nur ein gutes neues Buch von Salter, sondern gleich etwas ganz Neues, «ein ehrgeiziger Aufbruch von seinem früheren Werk» und insgesamt ein «krönender Erfolg».

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen