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Literatur : Ein Ehe-Krieg als raffinierter US-Thriller

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Nicks und Amys fünfter Hochzeitstag fängt mit fröhlichem Trällern der Ehefrau in der Küche an. Oder ist es nur scheinbar fröhlich? Er endet mit Amys mysteriösen Verschwinden samt Blutspuren auf dem Küchenboden.

«Jeder weiß, dass es immer der Ehemann ist», notiert Nick über seine Lage beim ersten Polizeiverhör. Ob das wirklich stimmt, lässt Gillian Flynn in ihrem raffinieren Psychothriller «Gone Girl» die beiden Hauptbeteiligten komplett selbst erzählen.

In kapitelweisem Wechsel: Nick schreibt, wie es weitergeht mit der Suche nach Amy und dem immer härteren Verdacht gegen ihn, unterbrochen zunächst von Amys Tagebucheinträgen aus der Zeit vor ihrem Verschwinden. «Ich bin fett vor Liebe! Heiser vor Überschwang! Ich platze vor Hingabe!» schreibt sie da als bedingungslos liebende Ehefrau. Aber nach und nach wird klar, dass nicht nur der mordverdächtige Gatte die Wahrheit im eigenen Interesse immer mal wieder kräftig zurechtbiegt.

«Unzuverlässige Erzähler» sind Nick und Amy für die Literaturwissenschaft, weil Leser ihren Aussagen nie vertrauen können. Die 1971 geborene US-Autorin Gillian Flynn setzt dieses Mittel so brillant, spannend, glaubwürdig und unterhaltsam ein, dass ihr Kritiker wie Leser gleichermaßen zu Füßen liegen: Mehr als zwei Millionen verkaufte Exemplare bisher.

Die «New York Times» sieht eine Autorin (Jahrgang 1971) mit der psychologischen Raffinesse von Patricia Highsmith («Der talentierte Mr. Ripley») am Werk, die Ingmar Bergmans «Szenen einer Ehe» noch einmal neu mit demselben Gespür für Spannung inszeniert habe wie Alfred Hitchcock. «Ich habe "Psycho" eine Million Mal angeschaut», erzählt denn auch Flynn, Tochter eines Filmwissenschaftlers, im Interview mit dem «Guardian». Und: «Das genau ist mein Ziel: Die Eheleute voller Misstrauen aufeinander blicken lassen.»

Es gelingt ihr mit immer neuen überraschenden Wendungen in Nicks und Amys Erzählungen überzeugend. Fast bis zur letzten der knapp 600 Seiten bleibt es spannend: Wer ist der eigentliche Psychopath in diesem Ehedrama, und wer überlebt es als Sieger? Nicht nur nimmersatte Krimi-Leser auf der Suche nach originellen und doch glaubwürdigen Plots werden bestens bedient. «Gone Girl» mit den Schauplätzen New York und dem kleinen North Carthage im US-Bundesstaat Missouri geht auch als interessante psychologische Ehestudie durch.

Hollywoodstar Reese Witherspoon konnte das Buch, so die Verlagswerbung, eine ganze schaflose Nacht lang nicht aus der Hand legen. Sie hat sich als Produzentin für 1,5 Millionen Dollar (1,1 Mio Euro) die Filmrechte gesichert. Oscar-Preisträger Ben Affleck soll nach Medienberichten unter der Regie von David Fincher («Fight Club») die männliche Hauptrolle spielen und Rosamunde Pike («James Bond - Stirb an einem anderen Tag») die verschwundene Ehefrau.

- Gillian Flynn, Gone Girl - Das perfekte Opfer, Fischer Scherz Verlag, Frankfurt/Main, 576 Seiten, Euro 16, ISBN: 978-3-502-10222-9

Gillian Flynn

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erstellt am 09.Sep.2013 | 13:13 Uhr

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