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Literatur : «Die Todesliste»: Frederick Forsyth auf Terroristenjagd

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Der Kampf gegen den internationalen Terrorismus ist zum wohl wichtigsten Thema für Thrillerautoren weltweit geworden. Auch Frederick Forsyth (75), seit Jahrzehnten einer der führenden Vertreter dieses Genres, widmet sich in «Die Todesliste» der Verteidigung westlicher Lebensweise.

Der Roman beginnt mit einer unheimlichen Mordserie. In den USA und Großbritannien fallen staatliche Amtsträger wie Bürgermeister oder Senatoren einzelnen Attentätern zum Opfer. Keiner der Täter war zuvor auch nur im Entferntesten in Verdacht geraten, ein Terrorist zu sein.

Erst ganz allmählich stellen die Sicherheitsbehörden der beiden Länder eine Gemeinsamkeit fest: Bei allen Tätern finden sich aufgezeichnete Hassreden desselben muslimischen Predigers, die aus dem Internet stammen. Dieser Mann, der sich irgendwo in den Weiten des World Wide Web verbirgt, ist der Schlüssel zu der Mordserie. Der US-Präsident erklärt ihn gewissermaßen zum Staatsfeind Nr. 1 und setzt ihn an die Spitze einer hochgeheimen Todesliste.

Ein amerikanischer Geheimdienstoffizier, dessen Werdegang der Roman ausführlich darstellt, bekommt die Aufgabe, den Fall zu erledigen. Der Offizier, der im Roman fast nur unter seinem Tarnnamen «der Spürhund» auftaucht, bekommt ein beeindruckendes Arsenal zur Verfügung gestellt, um den Prediger zu identifizieren und aufzuspüren. Konnte in Forsyths legendärem «Schakal» noch ein einzelner Mann den Terroristen finden, so ist dies in der Moderne nur durch modernste Computertechnik und eine Armee von Spezialisten zu erreichen. Und die Ermittler müssen überwinden, was ein arabischer Gelehrter als Grundfehler des Westens identifiziert: «Der Westen ist schwach, mit sich selbst beschäftigt und von Vergnügen und Habgier getrieben.»

Subtilität ist nicht Forsyths Sache in «Die Todesliste». Der Auftrag für die Geheimdienstler erscheint immer mehr als Kampf von Gut gegen Böse. Wahrlich dämonisch werden der Prediger, seine Verbündeten und seine Machenschaften dargestellt. Der Roman gibt dem Prediger zwar eine persönliche Geschichte, erklärt jedoch nicht, warum er zu diesem Monster geworden ist. Während es bei den somalischen Piraten, die als Verbündete ins Spiel kommen, erkennbare Gründe für ihr Verhalten gibt, ist der Prediger einfach nur böse.

Eine ganze Reihe glücklicher Zufälle und eine schier unglaubliche Computertechnik bringen die Amerikaner und ihre Verbündeten schließlich auf die richtige Spur. So wird die Bühne bereitet für einen klassischen Showdown in der Wüste von Somalia, der an dramatischer Action kaum zu überbieten ist. Hier wird «Spürhund» endgültig zum Helden, der sich persönlich darum kümmert, die Welt vom Bösen zu befreien.

Mit «Die Todesliste» hat Frederick Forsyth einen Roman veröffentlicht, den auch Tom Clancy hätte schreiben können. Fans actionreicher Geschichten, in denen die Rollen klar verteilt sind, kommen auf ihre Kosten.

- Frederick Forsyth: Die Todesliste. Verlag C. Bertelsmann, München, 318 Seiten, Euro 19,99, ISBN 978-3-570-10166-7

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erstellt am 02.Okt.2013 | 11:21 Uhr

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