zur Navigation springen

Literatur : Coelho: «Warum ich nicht zur Frankfurter Messe fahre»

vom

Die Frankfurter Buchmesse hat dieses Jahr zwar Brasilien als Gastland, muss aber ohne dessen Bestseller-Autor Paulo Coelho auskommen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2013 | 11:47 Uhr

Der 66-Jährige wird diese Woche nicht nach Frankfurt kommen und begründete das mit der von Brasiliens Kulturministerium vorgenommenen Auswahl der nach Deutschland eingeladenen Autoren.

«Von den 70 Eingeladenen kenne ich nur 20, von den anderen 50 habe ich noch nie etwas gehört. Das sind vermutlich Freunde von Freunden von Freunden. Eine Vetternwirtschaft», sagte er im Interview mit der «Welt am Sonntag», das er am Freitag unter dem Titel «Warum ich nicht zur Frankfurter Messe fahre» in seinen Blog stellte und einen Link dazu twitterte.

Er habe Zweifel, dass dies alles professionelle Schriftsteller seien. Die Politik mische sich «auf eine sehr ungute Weise» ein, wenn es um offizielle Präsentation brasilianischer Kultur gehe. «Was mich daran am meisten ärgert: Es gibt ja eine neue, aufregende Literaturszene in Brasilien. Viele der jungen Autoren finden sich aber nicht auf dieser Liste wieder.» Coelho betonte ausdrücklich seine «Wertschätzung» für die Messe in Frankfurt.

Buchmesse-Sprecherin Katja Böhne sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, es sei sehr schade, dass Coelho nicht komme. Zu seiner Begründung könne sie inhaltlich nichts sagen, weil sie erst seit kurzem vorliege. Es gebe aber in jedem Jahr Getöse um die eingeladenen Autoren des Gastlandes. «Das ist so eine knifflige Angelegenheit.» Dabei seien viele Wünsche und Eitelkeiten im Spiel. Die Autoren seien aber auch das Kernstück des Gastlandes, das damit zeige, wie wichtig es am Ende sei.

Coelho sagte in dem Interview, er fühle sich der Buchmesse «sehr verbunden», vor allem deren Geschäftsführer Jürgen Boos, der nicht nur den Transformationsprozess von der gedruckten in die digitale Welt erkenne, sondern auch seit Jahren thematisiere. «Andere Buchmessen in Genf oder Paris sind deshalb auf dem absteigenden Ast, weil sie an alten Geschäftsmodellen festhalten.»

«Ich werde aber trotz meiner Wertschätzung der Buchmesse nicht kommen, weil ich mit der Art, wie Brasilien seine Literatur präsentiert, nicht einverstanden bin», betonte Coelho («Veronika beschließt zu sterben», «Der Alchimist»), der seit Jahren in Genf lebt.

Er habe das offen kritisiert und mit vielen nicht eingeladenen Autorenkollegen wie Eduardo Spohr, Carolina Munhóz, Thalita Rebouças, André Vianco, Felipe Neto und Raphael Draccon gesprochen. «Ich habe mein Bestes getan, um zu erwirken, dass sie mitkommen. Ohne Erfolg. Da habe ich mich aus Protest entschieden, nicht nach Frankfurt zu fahren.»

Die Buchmesse wird am Dienstag (8.10) eröffnet. Mit 7100 Ausstellern aus 100 Ländern ist die Zahl der Aussteller in diesem Jahr etwas kleiner als im Vorjahr. 250 000 bis 300 000 Besucher werden an den fünf Messe-Tagen (9. bis 13. Oktober) erwartet. Sie haben die Wahl zwischen 3100 Veranstaltungen. Insgesamt werden 1500 Autoren nach Angaben der Organisatoren zur Messe kommen.

Coelho Twitter

Zeitung «Die Welt»

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen