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Literatur : Charlotte Link: «Ich möchte Geschichten erzählen»

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Charlotte Link, die am 5. Oktober 50 Jahre alt wird, gilt als die erfolgreichste Romanautorin Deutschlands. Mit ihren Psychokrimis will sie die Leser über das Buch hinaus beschäftigen, sagt die in Wiesbaden lebende Schriftstellerin im dpa-Interview.

Frage: Sie sind Deutschlands erfolgreichste Romanautorin. Im Feuilleton werden Ihre Werke kaum - und wenn, dann eher ungnädig - behandelt. Was ist Ihr persönlicher literarischer Anspruch?

Antwort: Ich habe einen einzigen Anspruch: Ich will Geschichten erzählen und viele Leser erreichen. Und ich möchte die Leser möglichst über das Buch hinaus beschäftigen und bewegen. Manche mögen das unzureichend finden, manche werden es toll finden. Damit muss ich und kann ich leben.

Frage: Sie haben mit historischen Romanen begonnen. Seit 1993 schreiben Sie Psycho-Thriller. Was reizt Sie so sehr am Krimi?

Antwort: Ich will nicht ein blutrünstiges Verbrechen an das andere reihen. Mich reizt der psychologische Hintergrund. Also die Frage, wie geraten Menschen in Situationen, in denen sie extreme Dinge tun oder zum Opfer davon werden. In meinem neuen Roman «Im Tal des Fuchses» hat der Täter eigentlich keine kriminelle Struktur. Er macht aber in den falschen Momenten immer das Falsche. Das kennt man ja auch von Menschen in seinem eigenen Umfeld.

Frage: Kennen Sie das auch aus Ihrem eigenen Leben?

Antwort: Ich habe schon manchmal das Gefühl gehabt, dass ich in meinem Leben an einer bestimmten Kreuzung leider den falschen Weg gegangen bin. Das hat nicht zu solchen Handlungen geführt, wie ich sie in meinen Krimis beschreibe. Aber grundsätzlich beurteilt man Situationen im Rückblick viel klarer, als wenn man mittendrin steht.

Frage: Wenn man 50 wird, ist das oft Anlass, über Alternativen im Leben nachzudenken. Haben Sie schon einmal die Entscheidung bereut, Schriftstellerin zu sein?

Antwort: Als Schriftsteller arbeitet man sehr einsam. Man ist immer seinen Selbstzweifeln ausgeliefert. Man kann auch keinen Kollegen fragen, alles hängt zunächst von der eigenen Beurteilung ab. Manchmal stelle ich es mir paradiesisch vor, in einem Team zu arbeiten. Ich frage mich schon gelegentlich, ob ich in den nächsten 20 Jahren noch Romane schreiben will. Momentan sehe ich aber keine echte Alternative dazu.

Frage: Wie sehr sind Sie von Ihrem Erfolg abhängig? Könnten Sie auch einen Flop verkraften?

Antwort: Das wäre für mich schon schwierig. Es würde mich heute viel mehr treffen als vor 20 Jahren. Es ginge heute um die Frage, ob mein Zenit überschritten, ob das der Anfang vom Ende ist. Ich hoffe aber, dass ich aufhören werde, bevor das passiert.

Frage: Ihr Lesepublikum sind hauptsächlich Frauen. Erhalten Sie viel Leserpost? Antwort: Nach dem Erscheinen eines neuen Buchs erhalte ich in der Regel viele Briefe. Gleichermaßen von Männern und Frauen. Frauen schreiben meist ausführlich, welche Figuren sie besonders mochten und berichten über eigene Erfahrungen. Das ist also sehr detailliert und emotional. Die Männer teilen mir nur mit, dass ihnen das jeweilige Buch gefallen hat und bitten dann um ein Autogramm.

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erstellt am 03.Okt.2013 | 14:43 Uhr

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