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Literatur : Britische Literaturszene hat internationales Flair

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Xiaolu Guo erzählt über ihre Kindheit in einem chinesischen Fischerdorf und verfasst ein Lexikon für Liebende verschiedener Kulturen.

Taiye Selasi wird für ihren kürzlich auf Deutsch erschienenen Debütroman «Diese Dinge geschehen nicht einfach so» hoch gefeiert und Nadifa Mohamed aus Somalia berichtet in ihrem autobiografischen Roman «Black Mamba Boy» über die Odyssee ihres Vaters durch Afrika - auf der Suche nach Heimat.

Die Liste der 20 Jungautoren unter 40 Jahren, die laut der literarischen Zeitschrift «Granta» als die künftigen Stars der britischen Literaturszene gelten, ist so international wie nie zuvor. Mit 12 weiblichen Namen sind erstmals mehr Frauen als Männer vertreten. Zu ihnen zählt - bereits zum zweiten Mal bei «Granta» - unter anderem Zadie Smith, die in Deutschland mit ihren Romanen «Zähne zeigen» und «Von der Schönheit» bekanntwurde.

«Noch vor der Frage von Nationalität und Internationalismus ging es uns darum, Schriftsteller zu entdecken, die sich durch die Kühnheit ihres Stils auszeichnen,» sagte Granta-Sprecherin Saskia Vogel der Nachrichtenagentur dpa. «Auf der Grundlage, dass Romanschreiben gefährlich, revolutionär und bahnbrechend sein kann, haben wir Autoren ausgewählt, die von ihren Geschichten begeistert, ja, aufgerüttelt, sind.»

Stilistische Experimente waren dabei genau so wichtig wie etwa die simultane Beschäftigung der Autoren mit interaktiven Videos oder Computerspielen. So ist zum Beispiel die Fitness-App von Granta-Autorin Naomi Alderman mit dem Titel «Zombies Run!» ein Riesenerfolg. «Wir wollten einen Eindruck davon vermitteln, welche Möglichkeiten den Autoren im digitalen Zeitalter offenstehen», sagte Vogel. «Diese Möglichkeiten sind groß.»

Für Vielfalt und Experimentierfreude steht auch der Name von Benjamin Markovits, der in Deutschland für seine Romane «Symes Entdeckung» und «Manhattan Love Story» bekannt ist. Markovits, der in Texas, London und Berlin aufwuchs, wurde in Rezensionen als «Romantiker in den Kleidern des Realismus» bezeichnet. Sein Werk reicht von einer Trilogie über den englischen Dichter Lord Byron zu «Playing Days», einer Beschreibung seiner Erfahrungen als junger professioneller Basketballspieler in Deutschland. Markovits glaubt nicht, dass der Roman durch neue Technologien überholt ist. «Der Roman an sich repräsentiert gute Technologie. Ich kenne keine bessere Art als das geschriebene Wort, um unser Verständnis von den Dingen auszudrücken», sagte er in einem dpa-Interview.

Britische Kommentatoren lobten den «multikulturellen» Charakter der Granta-Liste von 2013. «Diese Liste demonstriert die ethnische Vielfalt der britischen Literatur. Sie zeigt, wie multikulturell Großbritannien in den vergangenen Jahrzehnten geworden ist,» sagte Jonathan Ruppin von dem Buchgeschäft Foyles. Gaby Wood, die zu den sieben Mitgliedern des Granta-Gremiums zählt, schrieb im «Daily Telegraph»: «Was wir hier vor uns sehen, ist Großbritannien. Es ist keine Botschaft, es ist eine Tatsache.»

Neben Zadie Smith steht auch Adam Thirwell («Flüchtig», «Strategie») bereits zum zweiten Mal auf der Granta-Liste, die seit 1983 alle zehn Jahre veröffentlicht wird. Adam Foulds, Sarah Hall, Kamila Shamsie, Evie Wyld, Steven Hall, Tahmima Anam, David Szalay, Helen Oyeyemi, Sunjeev Sahota, Ross Raisin, Joanna Kavenna, Jenni Fagan, Ned Beauman und Nadav Kander gehören dazu. Alle können hoffen, so berühmt zu werden wie ihre Vorgänger auf der Granta-Liste - von Salman Rushdie über Julian Barnes und Martin Amis bis Ian McEwan und William Boyd.

Webseite für Granta-Liste 2013

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erstellt am 19.Aug.2013 | 00:24 Uhr

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