Kritik an "Party-Patriotismus" : Linksjugend ruft zur Zerstörung von Deutschland-Flaggen auf

WM-Fieber: Deutschlandfahnen sind in diesen Tagen verstärkt im Straßenbild zu sehen. Foto: dpa
WM-Fieber: Deutschlandfahnen sind in diesen Tagen verstärkt im Straßenbild zu sehen. Foto: dpa

Fahnen sind der Jugendorganisation der Linkspartei ein Dorn im Auge – sie will daher "Deutschland knicken".

shz.de von
18. Juni 2018, 18:29 Uhr

Berlin | Spätestens seit der WM 2006 gehört es für viele Deutsche wie selbstverständlich dazu, mit schwarz-rot-goldenen Fahnen an Autos und Häusern ihre Nationalmannschaft zu unterstützen. Doch das bunte Straßenbild passt längst nicht jedem: Die Jugendorganisation der Linken will mit der gezielten Aktion „Deutschland knicken“ möglichst viele der Fahnen zerstören.

Die Organisation, die sich selbst "Solid" nennt, warnt in einer veröffentlichten Stellungnahme vor dem "harmlosen Party-Patriotismus" – wer diesen infrage stelle, bekomme Probleme: "Wagt man es sogar das Spektakel als Nationalismus zu bezeichnen, sind wüste Beleidigungen und Gewaltandrohungen nicht weit. Spätestens dann zeigt sich, wie wenig harmlos dieses nationale Fieber wirklich ist", heißt es auf der Website der Jugendorganisation.

Fahnen abschneiden, anzünden oder abreißen

Deutsche Nationalsymbole verletzen in den Augen der Linksjugend vor allem Migranten, "People of Colour und andere Menschen, die nicht als Teil des nationalen Kollektivs betrachtet werden", so die Verantwortlichen. Ihre These: Die Anzahl rassistischer Gewalttaten in Zeiten von Fußballmeisterschaften oder anderen nationalen Großevents steigt. Einen Beleg dafür bleiben sie schuldig.

Vor diesem "Hintergrund des rechten Rollbacks" müsse gegengesteuert werden. Man werde dafür sorgen, dass "die WM nicht zum Heimspiel von CSU & Co. wird" – daher wolle man Deutschlandfahnen "einsammeln" und für eine grenzenlose Gesellschaft kämpfen. Für Sympathisanten hat die Organisation eine detaillierte Anleitung veröffentlicht, wie sie Fahnen an Autos am besten zerstören können – inklusive Methoden zum Abschneiden, Anzünden oder Abreißen.

Junge Union stellt Strafanzeige

Die Aktion stößt in sozialen Netzwerken auf Kritik. Nutzer kritisieren vor allem den Aufruf zu Straftaten. Ein juristisches Nachspiel hat dieser bereits: die Junge Union hat die Linksjugend angezeigt. "Wir haben keinen Grund uns für unser Land und unsere Errungenschaften, wie der Freiheit, in der wir leben können, zu schämen. Keinen Grund mehr, nicht stolz auf unsere Nation in Europa zu sein. Wir dürfen uns unsere Flagge nicht nehmen lassen", heißt es in einer Stellungnahme des Wiesbadener JU-Chefs Dennis Friedrich.

Die Debatte um den WM-bezogenen Patriotismus ist in den vergangenen Jahren immer wieder hochgekocht. Bei der vergangenen EM hatte etwa die Grüne Jugend "Patriotismus? Nein danke!"-Aufkleber verteilt. Die Jusos bezeichneten eine unkritische Hingabe zu seinem Land als "gefährlichen Nationalismus". Zuletzt hatte Claudia Roth, Bundestags-Vizepräsidentin der Grünen, vor „nationaler Selbstbeweihräucherung“ gewarnt – und zur Zurückhaltung aufgerufen.

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