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Nach Foto-Veröffentlichung : Leserreaktionen auf toten Flüchtlingsjungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach der Veröffentlichung des Fotos vom toten Flüchtlingsjungen Aylan an der türkischen Küste, erreichten uns zahlreiche Leserzuschriften. Es gab Kritik, aber auch Lob für den Abdruck des Bildes. Hier eine Auswahl.

Es hat mein Herz berührt

„Seit Wochen höre ich die Nachrichten von auf der Flucht im Mittelmeer ertrunkenen Menschen. Immer wieder habe ich mich gefragt: Was passiert nur in unserer Welt? Doch heute Morgen habe ich das erste Mal darüber geweint. Das Bild des kleinen toten Aylan hat mein Herz berührt. Es könnte mein ebenfalls dreijähriger Enkelsohn sein, der dort liegt – wäre auch er wie Aylan in einem Kriegs- oder Krisengebiet zur Welt gekommen. Die Darstellung in Form einer Traueranzeige empfinde ich als sehr würdevoll und keineswegs als reißerisch. Wir können nicht täglich über alles Leid in der Welt weinen, aber heute morgen trauere ich um Aylan und um alle Kinder und Enkelkinder, die große Angst erleben und sogar sterben müssen, weil andere Menschen verblendet glauben, dass es Ziele gibt, die wichtiger sind als das Leben.“ - Urte Löwenstrom, Gelting

Dank für dieses Bild

„Ja, ich muss dieses Bild ertragen. Ich ertrage es aber nicht, denn ich habe selbst zwei Kinder. Eines im Alter des Jungen, der da im Wasser liegt. Ich möchte ihn aufheben, in eine warme Decke hüllen und ihn fest an mich drücken, um ihn dann weinend „es tut mir leid“ zu sagen. Ich bin wütend, ich will schreien, will weinen und in Aktionismus verfallen, um gegen diese Situation anzukämpfen. ... Fremdenhasser sind die eigentlichen Verlierer unserer Gesellschaft. Jeder Mensch, der Zuflucht in unserem Land sucht, ist mit Sicherheit ein besserer. Dieses Bild sollte nicht nur Eltern wachrütteln, sondern jeden Menschen, der jemals einem Kind in die Augen gesehen oder das unbeschwerte Lachen gehört hat. Gruß und Dank für dieses Bild und den Artikel.“ - Richard Kiewert, Husby

Politische Hasadeure

„Schuld am grausamen Tod des eigenen Kindes haben die Eltern. Diese sind sich doch der Gefahr bewusst, wenn sie in ein Schlauchboot steigen, um über das offene Meer zu fahren. Schuld am Tod dieses unschuldigen Kindes sind aber auch die deutschen politischen Hasardeure und ihre Unterstützer, die diesen Eltern eine Willkommenskultur in Deutschland vorlügen, die es nicht gibt. Der ungarische Ministerpräsident hat Recht mit seiner Aussage, dass sich Deutschland mal wieder selber ein Problem ans Bein gebunden hat und nun die Anderen in dieses Problem einbezieht, um dann mit dem schmutzigen politischen Finger auf die bösen Anderen zu zeigen.“ - Jörg Zemke, Eggebek

Eine Schande

„Shame on you – Europe!“ - Friedhard Temme, Handewitt
 

Bitte nicht wieder!

„Musste das wirklich sein, dass so eine kompetente Zeitung auch dieses Foto bringt? Wir wissen doch alle, was den Flüchtlingen für ein Leid zustößt, und trotzdem helfen wir. Ich dachte immer, solche Fotos bringt nur eine Tageszeitung, die das nötig hat. Bitte werden sie nicht auch so. Im Übrigen sollte die Politik (und nicht nur unsere) mal da anfangen, wo das Problem eigentlich entsteht. Dann würden die Menschen vielleicht nicht ihr eigenes Land verlassen.“ - Stefan Reumann, Westerrönfeld
 

Herzlosigkeit

„Respekt für den Mut, das Bild des toten Jungen so zu präsentieren, mit den einfühlsamen Worten von Herrn Kläsener. Das Bild ist verstörend und berührend zugleich, reißt Fragen auf, weckt tiefe Emotionen. Niemand, der dieses Bild auf sich wirken lässt, kann sich jetzt noch wegducken und zu den Fragen und Problemen, die mit dem schrecklichen Tod dieses Kindes und eines Teils seiner Angehörigen zusammenhängen, auf Abstand bleiben. Das Bild kann helfen, unsere Anteilnahme und das Mitleiden am Geschick aller Flüchtlinge wachzuhalten, Täter und Opfer klar auseinanderzuhalten und auf Distanz zu denen zu gehen, die – wie der ungarische Präsident – die gebotene Mitmenschlichkeit in ihren Worten, Taten und ihrer Tatenlosigkeit mit Füßen treten und (in) ihrem Volk ein klägliches Beispiel von nicht erwiesener Solidarität und unbegreiflicher Herzlosigkeit abgeben.“- Detlef Tauscher, Böklund

Druck auf die Politik

„Ja, dieses Foto müssen wir ertragen, denn es steht beispielhaft für das unendliche Leid der Flüchtlinge, und es zeigt zugleich die schlimmen Folgen, die sich aus der Politik des Nichthandelns vieler Staaten ergeben. Wenn dieses Foto etwas vermag, was durch Wort und Schrift offensichtlich nicht erreicht werden kann, nämlich die Menschen aufzurütteln und Druck auf die politisch Verantwortlichen auszuüben, dann war es richtig und wichtig, das Bild des kleinen ertrunkenen Jungen in möglichst vielen Zeitungen zu veröffentlichen. “ - Wolfgang Eichler, Neumünster

Würdelos

„Art. 1 Abs. 1 GG: ,Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.‘ Wenn man sich aber auf das Niveau der Bild-Zeitung begibt, ist man dieser Verpflichtung weit entfernt. In der vagen Hoffnung, dass sich Ihre Zeitung zukünftig von solch populistischen Bildern distanziert.“ - Rüdiger Linke, Silberstedt
 

Unverständlich

„Was mache ich als Erstes, wenn ich eine leblose Person am Strand finde? Richtig, ich mache erstmal von allen Seiten ein Foto für die Weltpresse. Wer trägt die Schuld an solchen Tragödien? 1. Der jeweilige Staat, der seine Bürger aus dem Land vertreibt. 2. Der Vater, der Tausende an Euros den Schleppern in den Rachen wirft, aber keine 5 Euro für eine Schwimmweste übrig hat. 3. Die Welt mit ihrer Erfindung des Geldes und der Gier danach.“ - Henry Groß, Tarp

Reaktionen auf shz.de:

Johann Meerbach: „Das Schicksal dieses Menschen ist grausam und unmenschlich. Aber statt sich darüber aufzuregen, verhindert lieber, dass so etwas wieder passiert. Helft den Menschen, die in Not sind, wo ihr sie seht. Gelegenheit dazu hat jetzt jeder.“

Tobias Rückerl: „Danke, dass Sie den Mut hatten, dieses erschütternde Bild zu drucken. Es sollte jeden wachrütteln. Das Flüchtlingsdrama geht uns alle an. Uns geht es so gut, da ist es unsere verdammte Pflicht zu helfen. Und es nutzt uns zudem noch. Als ich das Bild sah, kamen mir die Tränen...“

Fleder Maus: „Zusammenhalt ist wichtig, aber unser Staat soll auch an uns denken, wir haben selber genug Probleme. Eines Tages brauchen wir mal Hilfe und mal schauen, wer tatsächlich hilft ... schon hart, diese Situation! Immer diese Medien, denkt man auch mal an die kranken Menschen, Obdachlose und die Straßenkinder von Deutschland, eine Schande!!!“

Zum Bericht über den toten Flüchtlingsjungen Aylan.

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von
erstellt am 04.Sep.2015 | 19:22 Uhr

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