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Ermittlungen gegen "Hells Angels" : Land zahlte 337.000 Euro für Lagerhalle

vom

Wochenlang suchten Spezialisten 2012 in einer Altenholzer Lagerhalle nach einer Leiche. Der Abriss im Zuge der Ermittlungen gegen die "Hells Angels" kommt den Steuerzahler nun teuer zu stehen.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 02:21 Uhr

Kiel | "Es ist bereits eine Abschlagszahlung in Höhe von 337.000 Euro an die Eigentümerin des Objekts, eine Handelsgesellschaft, geleistet worden", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft, Heinz Döllel, am Donnerstag. Das Geld sei für den Wiederaufbau der Halle bestimmt.
Die Entschädigungsforderungen betragen insgesamt rund 500.000 Euro, davon 400.000 für den Wiederaufbau der Halle. Hinzu kommt unter anderem eine Entschädigung für Betriebsausfälle. Döllel sagte dazu, "es werden noch einige Punkte geprüft". Die Entscheidung für die Abschlagszahlung sei bereits am 13. Mai gefallen. Die Halle soll laut Medienberichten der Lebensgefährtin eines Rockers gehört haben.

Keine Leichenteile entdeckt


Nach einer Razzia am 24. Mai hatten Spezialisten der Polizei in der Lagerhalle für Tätowierbedarf in Altenholz bei Kiel nach der Leiche des vermissten Tekin Bicer aus Kiel gesucht. Auslöser war die Aussage eines als Hauptbelastungszeuge geltenden Rocker-Aussteigers. Der Mann gab an, durch Hörensagen erfahren zu haben, dass Hells Angels den Türken ermordet und die Leiche in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel einbetoniert hätten. Der 2010 in Kiel spurlos verschwundene Türke Bicer - er war damals 47 Jahre alt - soll wegen Drogengeschäften mit den Hells Angels aneinandergeraten sein. Auf der Suche nach seiner Leiche nahmen Spezialisten zunächst das Fundament der Halle auseinander und trugen über Wochen schließlich die gesamte Konstruktion ab. Leichenteile fanden sie allerdings nicht.
An der Glaubwürdigkeit des Rocker-Aussteigers wurden danach Zweifel laut. Er soll angeblich V-Mann in Sachsen-Anhalt gewesen sein. Der Kronzeuge werde weiter vernommen, sagte der Leiter des Dezernates Organisierte Kriminalität, Mathias Engelmann, und fügte hinzu: "Bis heute hat die Soko Rocker keinen konkreten Anhaltspunkt für eine bewusste Lüge gefunden."

LKA wertet Großeinsatz gegen Rocker als Erfolg


Das Landeskriminalamt wertet den Großeinsatz gegen die Rocker trotz des Fehlschlags bei der Leichensuche als Erfolg. "Zur Abklärung einer Spur in einem Tötungsdelikt war es unumgänglich, den Rückbau der Halle zu betreiben", sagte Engelmann. "Es ist Angehörigen von Getöteten und der Bevölkerung nicht zu vermitteln, wenn aus finanziellen Gründen nicht nach dem Verbleib einer Leiche gesucht werden würde."
Bei der Razzia vor einem Jahr hatten 1200 Polizisten 89 Bordelle, Gaststätten und Wohnungen vor allem in Schleswig-Holstein, aber auch in Hamburg und Niedersachsen durchsucht. "Wir haben einen tiefen Einblick in einen Bereich der Organisierten Kriminalität erhalten, der der Polizei lange verborgen war", sagte Engelmann. An etlichen Ermittlungsverfahren arbeite die Sonderkommission Rocker weiter mit großem personellem und zeitlichem Aufwand. Die Mitglieder des verbotenen Vereins Hells Angels MC Kiel würden seitdem deutlich zurückhaltender in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten und seien nicht mehr bei Gewalttätigkeiten aufgefallen, sagte Engelmann. "Sie bewegen sich jedoch weiterhin in ihren angestammten Geschäftsfeldern."
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