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Deutschland & Welt

24. Oktober 2017 | 02:57 Uhr

Mediengrummel : La Ola fürs ZDF

vom

Nicht immer sieht man mit dem „Zweiten“ besser. Ab und zu geht der Durchblick verloren. Das ZDF hat deshalb 2009 noch etwas gut zu machen, meint unserer Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2009 | 05:50 Uhr

Ob das Jahr 2009 ein erfolgreiches in der ZDF-Geschichte wird? Die Aussichten sind nicht rosig. Wenn nicht noch etwas passiert. Und das müsste schon mehr sein, als Kerner an SAT 1 loszuwerden.
Die penetrant beworbene ZDF-Casting-Show "Ich kann Kanzler" hat nicht einmal einen Schatten von Horst Schlämmer entdeckt und floppte. Auch das vom Intendanten Schächter persönlich inszenierte Stück "Ich kann Chefredakteur" hat’s nicht gebracht. Stoiber, Koch & Co werden die Posse zum noch amtierenden Redaktionschef Brender nach dem 27. September umschreiben. Niemand sollte sich wundern, wenn die Herren Schächters liebstes Casting "Ich kann Intendant" bald mit in die Hand nähmen. Auch der "Spitzenmann des deutschen TV-Journalismus" (Schächter über Claus Kleber) wird sich samt Kollegen damit abzufinden wissen, nach der Vortrags-Serie "Wir können Kasse" sind einige ohnehin etwas angeschlagen.
Können die im ZDF auch Fernsehen, möchte man da fragen? Aber natürlich! "Die Zukunft der Nachrichten beginnt. Genau jetzt. Im Zweiten", ließ der Sender zur Eröffnung seines neuen Nachrichtenstudios am 17. Juli verbreiten. Nach "tausenden Jahren" sei es an der Zeit, dass sich jeder "über den Lauf der Welt" informieren könne. 30 Millionen Euro hat man sich das kosten lassen, was man als journalistischen Urknall aus Mainz propagiert hat. Der Reklamefeldzug zum Sendestart verschlang eine weitere Million.
Kleine Schrift und wilde Kamerafahrten
Drei Jahre haben Redakteure und Technik-Experten an dem virtuellen Studio getüftelt. Da können leicht ein paar Zuschauer aus dem Blickfeld geraten. Plötzlich sahen die mit dem "Zweiten" schlechter: Schriften zu klein, Kontraste zu gering, Ton zu schlecht, flackernde Linien, Studio-Design aus den 90ern, Bildausschnitte mangelhaft, wilde Kamerafahrten, Moderatoren verschwinden in der Tiefe des Raumes, wichtigtuerischer Schnickschnack ohne Nachrichtenwert... Die Internet-Foren mit abfälligen Bemerkungen füllen mittlerweile Bände. Sein eigenes Diskussionsforum hatte das ZDF bereits nach einer Woche und über 4000 Beiträgen abgeschaltet. Der Sender habe sich aber bewusst "sehr offensiv dem Zuschauervotum gestellt" sagte der stellvertretende Chefredakteur Elmar Theveßen, der als ZDF-Terrorismus-Experte offenbar auch was von aufmüpfigen Zuschauern versteht. Beschwichtigend hat er einige Korrekturen angekündigt.
Viel Zeit für einen richtigen Erfolg bleibt dem ZDF in diesem Jahr nicht mehr. Vielleicht geht aber doch noch was. Seit Jahr und Tag senden die Redakteure ihre Kurznachrichten "heute in 100 sec". Gewerkschaft hin, Personalrat her: Mit ein bisschen Trainingsfleiß sollten die paar Neuigkeiten doch auch in 99,58 Sekunden zu schaffen sein! Die Zuschauer würden’s bestimmt - wie kürzlich im Berliner Olympia-Stadion - mit La Ola feiern.

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