zur Navigation springen

Menschenrechte : Kussfoto auf Facebook bringt drei junge Marokkaner in Haft

vom

Wenn zwei sich küssen und einer das fotografiert, können alle drei im Gefängnis landen. So geschehen in Marokko. Wegen des Knutschfotos auf Facebook warten drei Teenager dort auf ihren Prozess.

Die 14 und 15 Jahre alten Schüler hatten bei dem Online-Netzwerk ein Foto gepostet, das sie bei einem Kuss zeigt. Nach marokkanischen Medienberichten vom Wochenende wurde auch ein Freund der beiden, der das Foto machte, festgenommen. Wegen «Erregung öffentlichen Ärgernisses» droht den drei Jugendlichen eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren, wie das Nachrichten-Portal Yabiladi am Samstag berichtete.

Der 15-jährige Schüler, seine 14-jährige Freundin und der 15-jährige Freund und Fotograf seien bereits am Donnerstag festgenommen worden, hieß es unter Berufung auf Menschenrechtler und die Justiz. Sie hatten den Angaben zufolge das Foto, das das Portal Lakome als «harmlos» bezeichnete, Ende September vor ihrer Schule in der nordöstlichen Küstenstadt Nador aufgenommen und dann auf Facebook veröffentlicht. Eine konservative Organisation sah das Bild und erstattete Anzeige, die Polizei nahm die Jugendlichen fest.

Die drei Teenager wurden den Angaben zufolge auch am Sonntag noch in Jugendgefängnissen in Nador und Fez festgehalten. Rechtsanwalt Mbarek Buirik sagte Medien, die Jugendlichen müssten sich am Freitag nächster Woche vor Gericht verantworten. Buirik, ein Vertreter der Marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte (AMDH), wird nach eigenen Angaben die Verteidigung übernehmen.

Die Festnahme löste unterdessen in Marokko eine stetig wachsende Empörung aus. Vor der Anstalt für männliche Jugendliche in Nador hätten mehrere Dutzend Menschen am Samstag einen Sitzprotest veranstaltet und die Freilassung gefordert, erklärten Sprecher der regionalen Menschenrechtsorganisation ADRH-RIF.

Jugendliche und Menschenrechtler hätten außerdem mit der Veröffentlichung unzähliger Kussfotos gegen die Festnahme protestiert und Solidarität demonstriert, berichteten Medien. Das Portal Yabiladi schrieb, sogar der berühmte Salafist und Regime-Gegner Abou Hafs habe Unmut geäußert. Die Behörden sollten lieber echte Verbrechen verfolgen, forderte er demnach auf Facebook.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Okt.2013 | 13:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen