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Fiesta : Zwischen Cognac und Corrida: Hemingway in Pamplona

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Ernest Hemingway hat vielerorts Spuren hinterlassen, ob auf Kuba, in Afrika oder Spanien. Mit der Stadt Pamplona verband ihn eine besondere Beziehung - ihr und ihrem berühmten Stiertreiben widmete er seinen Roman «Fiesta». Dabei war die Liebesbeziehung eher einseitig.

shz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 09:17 Uhr

Lässig lehnt Ernest Hemingway an der Theke, dahinter warten Wein- und Cognacflaschen auf trinkfreudige Gäste. So hätte er es gemocht, der große amerikanische Romancier - dieses Bar-Ambiente war ganz nach seinem Geschmack.

Die lebensgroße Statue steht nicht zufällig da, wo sie steht: in einem holzgetäfelten Nebenraum des Café Iruña in Pamplona, einem der Lieblingsorte Hemingways (1899-1961). Hier hat er nicht nur selbst viele Stunden mit Spirituosen und Plaudern zugebracht, er hat dem geschichtsträchtigen Kaffeehaus auch in seinem berühmten Roman «Fiesta» ein ewiges Denkmal gesetzt.

«Hemingways Liebesaffäre mit Pamplona dauerte sein ganzes Leben», sagt Lucinda Poole, die seit 30 Jahren in der nordspanischen Stadt lebt und als wahre Expertin gilt, wenn es um Hemingways Aufenthalte in Spanien geht. Der Touristenführer Javier Aldunate stimmt dem zu: «Er liebte Stiere, Wein, Frauen und das Angeln - da war er hier genau richtig.» 

Insgesamt neun Mal kam der Schriftsteller, um dem Festival «San Fermín» und den damit verbundenen Stierläufen beizuwohnen. Bei der ersten Reise im Jahr 1923 war er noch ein junger Mann, aber schon hingerissen von Stierkampf und Toreros. «Er war wie besessen von der Idee von Tapferkeit und Tod, und er hat das alles hier gefunden, in Pamplona», erzählt Poole.

Bereits 1926 erschien Hemingways Roman «The Sun Also Rises», der in Deutschland unter dem Titel «Fiesta» herauskam - und vielen als sein größter Wurf gilt. In den USA gehört das Werk über eine Gruppe amerikanischer Emigranten, die von Paris aus zum Stiertreiben nach Pamplona reisen und sich zwischen Alkohol und Eifersüchteleien in allerlei Bars tummeln, zur Pflichtlektüre. «Es ist ein trauriges Buch, über verlorene Menschen, inspiriert von echten Personen», sagt Lucinda Poole. 

So diente Hemingways Freund Juanito Quintana, ein Hotelier und Stierkampfexperte, als Vorlage für Juanito Montoya, in dessen Hotel die Gruppe aus Paris absteigt. Hemingway selbst wohnte in den 1920er Jahren mehrmals im «Quintana», das einst schräg gegenüber dem Café Iruña auf der Plaza Castillo stand. «Es war angenehm, aus der Sonne in den Schatten der Arkaden zu gehen, die um den ganzen Platz herumführten», schreibt er in «Fiesta». Und auch wenn das Hotel heute nicht mehr existiert, hat sich die historische Plaza doch ihre Arkaden und ihren Charme bewahrt.

Aber während Hemingways Begeisterung für Pamplona nie nachgelassen habe, hegten die Einwohner eine «Hassliebe» für ihn, erklärt Poole. «Die meisten hier haben nicht einmal sein Buch gelesen, sie erinnern sich nur an den Hemingway aus den 1950er Jahren, der in Bars rumhing und trank», sagt sie und fügt nachdenklich hinzu: «Hemingway hat Pamplona viel mehr geliebt als Pamplona ihn.» 

Das hält die Bevölkerung aber nicht davon ab, Geschäfte mit seinem Namen zu machen. Hemingway ist überall präsent, Läden und Lokale tragen seinen Namen, die Stadt organisiert Touren auf seinen Spuren, und vor der Stierkampfarena wurde ihm zu Ehren ein Denkmal errichtet.

Das Hotel «La Perla», wenige Meter vom Café Iruña, wirbt gar damit, dass der Autor mehrmals in einer der Suiten genächtigt habe. Wer während des Stierkampf-Festivals in dem «originalgetreu erhaltenen» Zimmer absteigen wolle, müsse über 2000 Euro pro Nacht hinblättern, bestätigt eine Hotelangestellte. 

Lucinda Poole ist skeptisch: «Er hat nie im La Perla gewohnt, ich habe eingehend nachgeforscht.» Hemingway hätte der ganze Plüsch des Hotels gar nicht gefallen, meint die Amerikanerin.

Der legendäre Schriftsteller, dessen Lieblingsdrink laut Stadtführer Javier Aldunate Cognac mit Vanille war, hat Pamplona in der ganzen Welt bekannt gemacht. Das Festival erfährt bis heute ungebremsten Zulauf - kein Wunder, denn so eine Party gibt es nicht alle Tage: «Die Fiesta hatte wirklich begonnen», begeistert sich Hemingways fiktives Alter Ego Jacob «Jake» Barnes im Roman. «Sie dauerte Tag und Nacht, sieben Tage lang. Man tanzte und trank unentwegt.» 

Jetzt ist es wieder soweit: Vom 6. bis 13. Juli werden abermals Tausende Schaulustige feiern und versuchen, das gefährliche Stiertreiben durch die engen Gassen unbeschadet zu überstehen. 

Als der Schriftsteller, mittlerweile weißhaarig und bereits Pulitzer- und Literaturnobelpreisträger, 1959 noch einmal in die Hauptstadt der Region Navarra zurückkehrte, war er geschockt von den Menschenmassen. Wo in der «Fiesta»-Zeit keine 20 Touristen gewesen seien, tummelten sich nun 40 000, schrieb er entsetzt in einem vom Magazin «Life» in Auftrag gegebenen Stierkämpfer-Bericht. Ansonsten aber fand er Pamplona unverändert vor und schwärmte, ganz in Hemingway-Manier: «Der Wein war so gut wie damals, das Essen so wundervoll wie immer. (...) Niemand war besiegt.»

"Fiesta" bei rowohlt

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