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“Die Zofen“ am Polnischen Theater in Kiel : Zwei Schwestern in einem tödlichen Rollenspiel

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie schmieden mörderische Pläne: In “Die Zofen“ wollen sich zwei Dienstmädchen für Demütigungen rächen. Am Polnischen Theater in Kiel die Inszenierung von Jean Genets Drama zu sehen.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 08:36 Uhr

Das Pendeln zwischen Realität und Fantasie war es vermutlich, was zwei junge Schauspielerinnen gereizt hat, im Polnischen Theater Kiel „Die Zofen“ von Jean Genet ganz selbständig in Szene zu setzen. Im Stück versuchen zwei ständig gedemütigte Dienstmädchen, auf kriminelle Weise nacheinander ihren Dienstherrn und ihre Herrin aus dem Wege zu räumen. Als das misslungen ist, machen Solange und Claire Ernst aus ihrem Rollenspiel: Claire trinkt als Opfer den für ihre Gnädige bestimmten, vergifteten Lindenblütentee, und Solange erwartet in perversem Stolz ihre Verurteilung als Mörderin.

Prall gefüllte Plastiksäcke werden zu Beginn der Kieler Aufführung auf die Bühne geworfen. Material für eine Kissenschlacht der Schwestern einerseits, laut aufgeklebten Etiketten Ersatz für Blumen andererseits. Als Claire gelingt es Linda Stach nicht, trotz Kommandoton und Herablassung die Gnädige täuschend ähnlich nachzuahmen, und Christina Dobirr als durchgehend ernster angelegte Solange wirkt für eine Zofe etwas zu steif. Rangeleien der Schwestern überspielen zum Teil ihre existentielle Not und ihren Willen, sich aus der Versklavung zu befreien. Oder soll es sinnbildlich verstanden werden, dass sie sich mit der Telefonschnur verheddern?

Originellster und bester Teil der Inszenierung ist das Auftreten der Herrin als Schattenspiel. Dabei übernehmen die beiden Darstellerinnen nacheinander mit gleichem Erscheinungsbild und gleicher Sprechweise die Rolle der dritten Person.

Es kommt nach Madames Abgang gut heraus, wie sich die Schwestern gegenseitig die Schuld am Scheitern ihres Planes geben und vergeblich nach Fluchtmöglichkeiten suchen. In der gekürzten Schlussszene bleibt dann zu wenig Zeit für Claires Weg zum Freitod. Obgleich eine Stunde nicht ausreichte, die Hintergründigkeit des Stückes auszuschöpfen, wurden beide Schauspielerinnen ausdauernd beklatscht.


> Nächste Termine: Heute, morgen, Do., 12.09., Fr., 13.09., und Sa., 14.09., jeweils um 20 Uhr.

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