Buchtipp : Zum Reinbeißen und Abgewöhnen

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Sibylle Bremer hat gleich zwei nicht immer ernst gemeinte Ratgeber geschrieben: Einen gegen die Nikotinsucht und einen für den Schokoladengenuss.

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15. September 2008, 04:38 Uhr

Hamburg | Seit einer Woche bekommt sie nur noch Schokolade geschenkt. In Zartbitter, Alpenmilch, mit Nüssen, ohne, als Kochbuch oder Kerze. Dabei mag sie am liebsten Lakritze! Aber vor einer Woche kamen die ersten beiden Bücher von Sibylle Bremer auf den Markt: "Ich will lieber Schokolade" und "Ausgeraucht". Das eine ist zum Abgewöhnen, das andere zum Genießen. Es sind kleine Geschenkbände von der Größe einer Schokoladentafel mit witzigen Grafiken und markigen Sprüchen.

"Ausgeraucht ist eigentlich schon sechs Jahre alt", berichtet die 38-Jährige. "Damals kam das mit dem Nichtraucherschutz gerade auf, und ich dachte, das wär doch mal ein schönes Thema." Sie hatte es als ein kleines Buch konzipiert, dass in einer Zigarettenschachtel stecken sollte - und 30 nicht immer ganz ernste Gründe nennt, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch leider ließ die Hamburgerin das fertige Manuskript zwei Jahre in der Schublade liegen, bis sie sich endlich auf die Suche nach einem Verlag machte. Sie bekam zwar gleich eine Zusage, doch kurz darauf folgte die Absage - ein anderer hatte dieselbe Idee gehabt und war ihr zuvor gekommen. "Mittlerweile ist das ein Bestseller. Wirklich ärgerlich", schimpft Bremer.
Schokolade "total hip"

Doch die studierte Deutsch- und Biologielehrerin wollte nicht aufgeben. Vergangenes Jahr dann die nächste Idee. "Plötzlich gab es überall Schokolade - spezielle Geschäfte, Kochbücher, Geschenkartikel. Das Thema war auf einmal total hip" - und so zückte sie wieder Papier und Bleistift. "Ausgeraucht" konzipierte sie zudem neu und startete eine zweiten Versuch.

"Die besten Ideen kommen mir abends im Bett", sagt Bremer und muss grinsen. "Wie im Klischee. Aber ich sitz dann da, wenn ich nicht einschlafen kann, und mache mir Notizen oder erste Skizzen." Bremer stützt sich auf ihren linken Ellbogen, in der Rechten hält sie eine Kaffeebecher. Auf dem Küchentisch türmen sich die Schokoladenberge. "Alles geschenkt gekriegt", betont sie.

Ursprünglich hatte sie Kunst studieren wollen "Aber dann wollte ich mein Hobby nicht zum Beruf machen", sagt Bremer. Stattdessen wählte sie die Fächer Deutsch und Biologie, unterrichtete ein Jahr lang an einer Kieler Privatschule. "Doch dann fragte ich mich: Willst du das den Rest deines Lebens tun?" Sie wollte nicht, arbeitete kurzfristig als Stewardess und heuerte dann beim Flensburger Tageblatt an, wo sie kurz darauf ein Volontariat angeboten bekam.
Viele Freiheiten

Heute lebt und arbeitet sie als freie Journalistin und Grafikerin in Hamburg. "Diese Kombination ist genau das Richtige für mich. Ich hab viele Freiheiten, kann in vieles reinschnüffeln. Und das Zeichnen zieht sich sowieso wie ein roter Faden durch mein Leben."

Bereits in der Schule hat sie eine eigene Comicfigur entwickelt. "Um mich nicht zu langweilen, habe ich gemalt." Vor allem die Strichzeichnungen haben es ihr angetan. Bis heute ist ihr Stil eher nüchtern-reduziert. Aber mit einem deutlich sichtbaren Augenzwinkern. Und das genau ist die Stärke ihrer beiden vor einer Woche erschienenen Bücher. "Ausgeraucht" wie "Ich will lieber Schokolade" kommen fast ohne Worte aus. Diese funktionieren eher wie eine Einleitung zum Bild, das die Gesamtaussage dann ins Liebevoll-Ironische zu heben vermag.
"Lakritz ist was für Spezialisten"

Doch wieso diese Themen? Sibylle Bremer ist Nichtraucherin. "Ein Arzt muss auch nicht selbst krank sein, um heilen zu können", sagt sie. Ok. Aber Schokolade, wo sie selbst doch eher Lakritze bevorzugt? "Vornehmlich bin ich ein Genussmensch. Ich wollte vermitteln, dass sich die Leute mal wieder etwas gönnen sollen. Mit harter, schwarzer Lakritze geht das nicht so gut. Lakritz ist eher etwas für Spezialisten."

Sibylle Bremer, "Ausgeraucht. 30 Gründe, sich von der Zigarette zu trennen", Verlag Knesebeck, ISBN 978-3.89660-576-4, 7,95 Euro.

Sibylle Bremer, "Ich will lieber Schokolade. 30 Gründe, hemmungslos zuzugreifen", Verlag Knesebeck, ISBN 978-3-89660-577-1, 7.95 Euro.

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