zur Navigation springen

Fall Gurlitt : Zentrum in Magdeburg sucht NS-Raubkunst

vom

Der Fall Gurlitt macht deutlich: Es schlummert viel Raubkunst in deutschen Museen. Eine neue Einrichtung in Magdeburg soll die Aufklärung koordinieren.

Magdeburg | Das in Magdeburg geplante Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ist nach Einschätzung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters ein Meilenstein für die Suche nach NS-Raubkunst. „Es ist ein gutes Zeichen, dass sich - ein Jahr nach Bekanntwerden des Falls Gurlitt - Bund, Länder und Kommunen auf unseren Vorschlag hin so schnell auf diese Gründung geeinigt haben“, sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa. „Das zeigt, dass dieses Thema in Deutschland als vordringlich angesehen und Verantwortung wahrgenommen wird.“ 

Im Laufe dieses Freitags wollte die Kultusministerkonferenz in Essen dem Projekt zustimmen, das Bundeskabinett hatte schon am Mittwoch grünes Licht gegeben. Das Zentrum soll noch dieses Jahr seine Arbeit aufnehmen. Grütters sagte, für sie sei es eines der wichtigsten Vorhaben seit ihrem Amtsantritt im Dezember 2013. „Die Gründung ist ein unübersehbares moralisches Signal, dass wir die Opferbiografien nicht vergessen wollen, die sich auch unmittelbar in der Geschichte der geraubten Kunst widerspiegeln. Das über Generationen reichende Leid der Opfer dürfen wir als Deutsche nie relativieren, auch über Generationen hinweg nicht.“ 

Im November 2013 wurde bekannt, dass beim Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt in München Hunderte Bilder gefunden worden waren. Bei etlichen Werken könnte es sich um Raubkunst handeln. Gurlitts Vater, Hildebrand Gurlitt, gehörte nach Experteneinschätzung zu den zentralen Figuren des NS-Kunsthandels.

In dem neuen Zentrum, das von einer Stiftung getragen wird, sollen die bisherige Koordinierungsstelle Lost Art in Magdeburg und die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin zusammengefasst werden. Das Zentrum soll verschiedene Experten unterstützen: die sogenannte Limbach-Kommission zur Rückgabe von Raubkunst, die Taskforce zur Aufklärung des Kunstfundes bei Cornelius Gurlitt sowie die Arbeit freier Herkunftsforscher.

Die vielen schon laufenden Aktivitäten seien wegen der zersplitterten Struktur bisher oft als nicht ausreichend empfunden worden, sagte die Staatsministerin. „Die Stiftung soll national wie international der zentrale Ansprechpartner in Deutschland für die Suche und den Umgang mit NS-Raubkunst sein. Damit werden unsere Anstrengungen auch im Ausland besser wahrnehmbar.“ Sie appellierte an alle öffentlich finanzierten Museen, die Forschung über ihre Bestände voranzutreiben. Wenn sie personell oder finanziell dazu nicht in der Lage seien, könnten sie sich künftig an die Stiftung wenden. „Und wir wollen auch private Kunstsammler ermutigen, mit unserer Hilfe ihre Bestände aufarbeiten zu lassen“, so Grütters.

„Dabei geht es nicht vordringlich um einen materiellen Ausgleich, sondern um die Anerkennung des von den Opfern erlittenen Unrechts.“ Sachsen-Anhalt stellt für die Arbeit kostenlos eine alte Villa zur Verfügung. Ein Gründungsvorstand soll die organisatorischen Vorarbeiten übernehmen. Über den späteren Vorstand sagte Grütters: „Wir wollen, dass ein ausgewiesener, glaubwürdiger Fachmann mit einem angesehen Namen das Gesicht der Stiftung nach draußen wird. Wir sind schon in intensiven Gesprächen.“

zur Startseite

von
erstellt am 10.Okt.2014 | 10:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen