Gegen das Vergessen : Wuppertal zeigt «Jankel Adler und die Avantgarde»

Das «Bildnis Else Lasker-Schüler» - wie Jankel Adler sie sah.
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Das «Bildnis Else Lasker-Schüler» - wie Jankel Adler sie sah.

Jankel Adler lebte gegen Konvention, war in den 1920er Jahren mitten in der Kunstszene. 1933 musste der Maler fliehen. Seine Gemälde wurden zerstört. Wuppertal zeigt den Avantgardisten nun inmitten seiner Künstlerfreunde.

shz.de von
12. April 2018, 14:38 Uhr

Er war befreundet mit Malergrößen wie  Otto Dix und Paul Klee, mit der Dichterin Else Lasker-Schüler, seine Bilder wurden in vielen Museen gezeigt: In den 1920er Jahren war Jankel Adler eine treibende Kraft der künstlerischen Avantgarde im Rheinland.

Doch der jüdische Maler musste 1933 fliehen und alles zurücklassen. Seine Bilder wurden von den Nazis als «entartet» verfemt, verschwanden aus den Museen und aus dem Gedächtnis. «Er war bereits vergessen, obwohl er ein wichtiger Künstler war», sagt Gerhard Finckh, der Direktor des Von der Heydt-Museums. Eine erste Retrospektive seit 30 Jahren rückt Adler wieder ins Licht.

Das traditionsreiche Museum in Wuppertal hat für die Ausstellung «Jankel Adler und die Avantgarde» seine Beletage leergeräumt. Es zeigt vom 17. April bis zum 12. August mehr als 200 Gemälde und Zeichnungen von Adler und seinen Freunden. 50 Künstler sind dabei, darunter der von Adler bewunderte Marc Chagall, auch Heinrich Campendonk, Otto Dix, Paul Klee, August Macke, Franz Marc und Pablo Picasso.

In gedämpften Farben hat Adler die Leinwände gefüllt. Seine ausdrucksstarken, expressiven Bilder zeigen Szenen aus dem jüdischen Leben, Menschen und Porträts. Manche der dunkel gehaltenen Bilder sprechen in der Ausstellung geradezu miteinander. Da inszeniert sich in den 1920er Jahren der Maler Otto Dix im Selbstporträt als Schönling. Sein Freund Jankel zeigt sich daneben in «Der Artist» mit melancholischen, glatten Zügen und irritierend muskulösem Bauch.

Mit seiner Freundin Betty blieb der avantgardistische Künstler bewusst im Widerspruch zum Bürgertum. Das Paar lebte ohne Trauschein zusammen, auch nach der Geburt der gemeinsamen Tochter. Der Kölner Fotograf August Sander fotografierte den ernst dreinblickenden Künstler 1924 für sein dokumentarisches Projekt «Menschen des 20. Jahrhunderts». Um diese Zeit hatte Adler in der Kunstszene schon einen Namen. Jedenfalls kauften die rheinischen Kaufleute, Anwälte und Ärzte seine Arbeiten oder gaben Porträts in Auftrag.

Adler liebte Katzen, immer wieder tauchen sie in seinen Arbeiten auf. Etwa in dem großen Bild «Katzen» von 1927, wo sich sein Kater wild auf ein Weibchen stürzt. In die Farbe ist Sand gemischt, was dem Gemälde freskohafte Züge verleiht. Heute macht diese spezielle Maltechnik die Bilder sehr empfindlich. Paul Klee, der an der Düsseldorfer Kunstakademie ein Atelier neben Adler hatte, war daran sehr interessiert.

1933 ging Adler nach Paris und floh später weiter ins britische Exil. Dort stürzte er sich, inzwischen fast 50 Jahre alt, trotz Armut und Entbehrungen wieder in die Arbeit. «Er ist nie wirklich sesshaft gewesen», sagt Antje Birthälmer, die Kuratorin der Ausstellung.

Sein eindringliches Bild «Die Verstümmelten» zeigt reduziert auf rotem Grund zwei miteinander redende Männer mit fehlenden Gliedmaßen und Krücken. Als es entstand, waren Adlers Werke aus deutschen Museen verschwunden. Als «entartet» wurden 25 Bilder beschlagnahmt und teils zerstört. Die Gemälde wurden entfernt aus dem Kronprinzenpalais in Berlin, dem Essener Museum Folkwang, dem Kunstmuseum Düsseldorf, dem Wallraf-Richartz-Museum Köln, der Kunsthalle Mannheim, dem Museum Saarbrücken, dem Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld und anderen Häusern. Aus Furcht zerstörte eine Familie in Wuppertal ihr Gemälde von Adler. 

Ein Ziel der Ausstellung sei zu zeigen, «wie wichtig und besonders Adlers Schaffen ist, wie sehr er vernetzt war», sagt Kuratorin Birthälmer. Und dass er den Dialog mit anderen Künstlern suchte. In der Ausstellung bekommt der zu Unrecht vergessene Maler einen gebührenden Platz neben seinen weltberühmten Freunden.

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