Eutiner Festspiele : "Wollen wir die Oper - ja oder nein?"

Mit einem Appell wandte sich Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz am Mittwochabend im Kulturausschuss an die Stadtvertreter.

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23. September 2011, 11:28 Uhr

„Wollen wir in Eutin die Oper nächstes Jahr haben, ja oder nein – diese Frage müssen wir so schnell wie möglich beantworten und dann entsprechend die Rahmenbedingungen schaffen.“
Schulz begründete seinen Vorstoß mit der „Schlüsselerfahrung“, dass die Festspiele nur dann gute Aussichten auf einen Erfolg beim Publikum hätten, wenn sie früh im Herbst für den Kartenkauf zur nächsten Spielzeit werben könnten. Das politische Echo klang zunächst verhalten: Der Kulturausschuss werde in zwei Monaten das nächste Mal tagen und dann über Festspiel-Angelegenheiten beraten, sagte Wolfgang Baier (CDU), der Ausschuss-Vorsitzende. Er fügte aber als seine Meinung hinzu: „Dem Grunde nach muss die Stadt doch jetzt sagen, wir wollen die Festspiele.“
Deren bereits angemeldeter Wunsch, auch 2012 von der Stadt 75000 Euro Zuschuss zu erhalten, wurde von Vertretern der CDU und der FDP ausdrücklich befürwortet. Dem stellte sich Monika Obieray (Grüne) entgegen. Wenn die neuen Festspiele wirtschaftlich zurecht kämen, könne sich die Stadt eigentlich in der finanziellen Unterstützung ein Stück zurückziehen, und dies umso mehr, je kommerzieller das Angebot werde.
Malte Tech (FWE) hingegen begrüßte kaufmännisches Denken in der Opernscheune: „Wenn die Verantwortlichen das wirtschaftlich hinkriegen, finde ich das gut. Jeder weiß, dass ich für die Festspiele bin.“
Bürgermeister Schulz nannte es „fast zum Lachen“, dass der Oper lange zu wenig Professionalität im Umgang mit den Finanzen vorgeworfen worden sei, „und jetzt wird wirtschaftlich gearbeitet, und nun soll das auf einmal falsch sein!?“
Eine deutliche Rückenstärkung, statt noch oft mit Misstrauen kämpfen zu müssen, wünsche er sich in Eutin für die neue Festspiele GmbH, sagte Geschäftsführer Marcus Gutzeit. „Jedes Jahr kann man nicht unter diesen Bedingungen arbeiten.“ Das gelte auch für die bisher extrem knapp gehaltene Etatplanung; ihr solle, da etliche Ansätze erhöht werden müssten, im nächsten Jahr eine Auslastung von 50 Prozent zugrunde gelegt werden.
Nachdrücklich wehrte sich Gutzeit gegen Anwürfe, dass die künstlerische Qualität auf der Freilichtbühne dem kommerziellen Erfolg geopfert werde: „Es ist in keinster Weise ein Qualitätsverlust zu erwarten.“ Mit der neuen Intendantin Dominique Caron und dem musikalischen Leiter Urs-Michael Theus hätten die Festspiele versierte Führungskräfte für den Musikbetrieb an Bord.
Der Spielplan für 2012 sieht jetzt Paul Abrahams 1931 verfasste Operette „Die Blume von Hawai“ sowie die Opern „Der Liebestrank“ (Donizetti) und „Nabucco“ (Verdi) vor. Außerdem soll der „Freischütz für Kinder“ aufgeführt werden. Gutzeit betonte, dass für das Orchester „die Besten aus Lawrence“ sowie Musiker aus Lübeck, Lüneburg und möglicherweise Dänemark engagiert werden sollen.

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