Leonhard Cohen : Wohlige Wehmut und Melancholie pur

Ein Weltstar in Hamburg: Leonhard Cohen. Foto: Isabel Schiffler
Ein Weltstar in Hamburg: Leonhard Cohen. Foto: Isabel Schiffler

Schwarzer Nadelstreifenanzug, schwarzer Hut, graues Hemd, ergraute Haare: der 74-jährige Leonhard Cohen steht voller Andacht auf der Bühne in Hamburg.

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02. November 2008, 02:13 Uhr

Hamburg | "Dance Me To The End of Love" - die Atmosphäre in der Hamburger Color Line Arena ist getränkt von ehrfurchtsvoller Sentimentalität. Alleine Cohens Anblick, die bescheidene Zurückhaltung, sein sicherer Stil und sein vom Alter gezeichneter Körper lassen keine Zweifel zu: Hier steht ein gealteter Star ganz großer Musikgeschichte.
Cohens rauchige, immer noch starke und durchdringende Stimme: Sie hat nicht an Kraft eingebüßt. Der knurrende Bassbariton lebt, wenn er auch auf Dauer etwas zu eindimensional wird. Aus den tiefen seines Brustkorbs haucht Cohen mit seinem unerhörten Stimmorgan reinste Melancholie in das Mikrofon, wenn er in "Ain’t No Cure For Love" mysteriös flüsternd einen unglücklich Verliebten mimt.
Perfekt inszenierte, dezente Show
Ein wärmender Mantel der Religiosität - nicht aufdringlich - umhüllt den gesamten Abend. "Halleluja" ist sicher eines der Glanzlichter. Der Songwriter und Dichter lebte in den Neunzigern in einem buddhistischen Kloster und trägt seither den Mönchsnamen Jikan. Andächtig erhebt er die Stimme zu seinen gebetartigen Texten, immer und immer wieder.
Bis halb zwölf dauert seine perfekt inszenierte und dezente Show. Cohen zeigt Ausdauer trotz seines gehobenen Alters, er gibt alles - als sei es das letzte Mal. Am Ende nimmt er den Hut ab, verneigt sich vor Band und Publikum. Dröhnender Applaus, als er singt: "I Hope You Were Satisfied!"

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