Debüt : Wo liegt «Der gefährlichste Ort der Welt»?

Die amerikanische Autorin Lindsey Lee Johnson nimmt in ihrem Roman-Erstling die Jugend unter das Brennglas. Sie erzählt die Geschichte eines Achtklässlers, der von seinen Mitschülern gemobbt wird.

shz.de von
23. Januar 2018, 15:05 Uhr

Tristans Tod verändert alles. Als der Achtklässler ins Meer springt, hat das böse Spiel seiner Mitschüler ein Ende.

Ein Liebesbrief dieses «dicken und blassen» Jungen an Calista gelangte in die sozialen Netze, wo das Gekeife der Klassenkameraden seinen Mobbing-Resonanzraum fand. 13 Personen gefiel der Beitrag «hey triss. Wenn ich sone fresse hätte wie du würd ich mich erschießen». Tristan entscheidet sich für die Golden Gate Bridge.

In ihrem Debüt «Der gefährlichste Ort der Welt» schaut die Amerikanerin Lindsey Lee Johnson auf Elisabeth, Dave, Ryan, Emma, Damon und die anderen, die drei Jahre nach Tristans Sprung vor ihren Highschool-Examen stehen. Was hat der Selbstmord mit ihnen gemacht? Calista wurde aus Schuldbewusstsein zum Hippie, die strebsame Abigail begann ein Verhältnis mit ihrem Lehrer, und Nick, der Schlaue, verdient sich ein Zubrot, indem er Drogen dealt und für andere Prüfungen schreibt. Was über die Jahre geblieben ist: Noch immer vermag keiner seinem Gegenüber unter die Oberfläche schauen zu können - und das auch nicht zu wollen.

Johnson hält in treffend junger Sprache ein Brennglas auf den Nachwuchs, auf Wünsche und Zwänge, auf Hinterhältigkeiten und Egoismus. Sie zeigt: Der gefährlichste Ort der Welt? Ist das Leben.

- Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt, dtv, München, 304 Seiten, 21,00 Euro, ISBN 978-3-423-28133-1.

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