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Ausstellungen : Wittelsbacher-Ausstellung nimmt Gestalt an

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Alles in Butter: Als Pfalzgraf Carl Theodor im 18. Jahrhundert in Mannheim zu seiner neuen Residenz nach München aufbrach, ließ er sein teures Porzellan in Butter eingießen - damit es trotz der Holperei in der Pferdekutsche unbeschädigt am Ziel ankam.

Derzeit ist ein Teil dieser Schätze in die andere Richtung unterwegs. Natürlich nicht in Butter verpackt, dafür aber in speziellen stoßsicheren und teils sogar klimatisierten Kisten und Lkw.

Für die Ausstellung «Die Wittelsbacher am Rhein» der Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg, die am 8. September eröffnet wird, rollen nicht nur Transporte aus München, sondern auch aus dem Louvre, der Vatikanischen Bibliothek und der British Library nach Mannheim. Bis zur Eröffnung der Doppelausstellung im Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen (Rem) und im Barockschloss ist es zwar noch ein paar Tage hin, doch schon jetzt nimmt sie langsam Formen an. 600 Ausstellungsstücke von 100 verschiedenen Leihgebern werden in den nächsten Monaten in Mannheim präsentiert.

Derzeit trudeln täglich Dutzende Kunstwerke aus längst vergangenen Zeiten bei den Museen ein. Darunter sind Originale von unschätzbarem Wert wie die Goldene Bulle, die erst vor kurzem von der Unesco zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde, oder der Reichsapfel des Winterkönigs aus der Schatzkammer der Residenz in München. Jedes Exponat wird auf seine Unversehrtheit kontrolliert, katalogisiert und seiner Vitrine zugeordnet. Für jedes Ausstellungsstück existiere eine Art Beipackzettel, oft mit Sonderwünschen zum Klima oder Licht, sagt der Projektleiter des Wittelsbacherjahres, Alexander Schubert. Rüstungen etwa vertragen kaum Luftfeuchtigkeit, weil sie sonst Rost ansetzen. Wird es jedoch Pergament zu trocken, fängt die Farbe an zu bröckeln.

Pergament und Textilien - das sind die Sorgenkinder historischer Ausstellungen, denn sie sind besonders empfindlich. Schon eine Beleuchtung von 50 Lux, bei der das menschliche Auge gerade noch Farben wahrnehme, sei für sehr heikle Handschriften aus vergangener Zeit schädlich, sagt der leitende Restaurator der Rem, Bernd Hoffmann-Schimpf. Sie könnten dem Licht daher immer nur ein paar Stunden pro Tag ausgesetzt werden. Pergament reagiere innerhalb von nur einer Viertelstunde auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit. Daher werde es in Spezialvitrinen ausgestellt, die solche Schwankungen ausgleichen könnten. Manche Vitrinen hätten auch Schadstoffabsorber, damit die Exponate nicht durch Ausdünstungen Schaden nehmen.

Solche Ausstellungsstücke werden von Spezialfirmen in klimatisierten Lkw mit besonderer Federung angeliefert. Die Ladung wird nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen. Alle Exponate müssen sich 24 Stunden «akklimatisieren», bevor sie ausgepackt werden, selbst robuste Ausstellungsstücke aus Stein wie der Pfalzgraf.

Der freundlich grüßende Ritter mit dem Löwenschild ist von den offiziellen Plakaten des Wittelsbacherjahrs bekannt. Das Original ist vor Tagen in Mannheim eingetroffen. Vorsichtig haben die Mitarbeiter von zwei Spezialfirmen das mehr als sechs Jahrhunderte alte Relief des Pfalzgrafen bei Rhein mit Schaumstoff und gepolsterten Gurten umwickelt, bevor sie es aus der Transportkiste gehoben und mit einem Spezialkran an seinen Standort in der Ausstellung bugsiert haben.

Für das Glanzstück der Schau wurde extra ein Podest mit Druckverteilerplatte gebaut. Es soll verhindern, dass das 1,5 Tonnen schwere Ausstellungsstück plötzlich in die Tiefe rauscht. Der Fußboden des Museums hält zwar einiges aus, aber auf solche Lasten ist er nicht vorbereitet. Also musste extra ein Statiker her, der die ideale Verteilung des Gewichts auf dem Boden berechnet hat. Für den Pfalzgrafen ist der kleine Ausflug nach Mannheim etwas ganz Besonderes: Das überlebensgroße Relief aus dem Mainzer Landesmuseum ist vorher noch nie auf Reisen gegangen.

Auch andere Exponate sind außergewöhnlich, etwa die zehn Handschriften, welche die Reiss-Engelhorn-Museen der Vatikanischen Bibliothek für die Ausstellung abgerungen haben. Der Vatikan lässt schon ungern Besucher in sein literarisches Heiligtum. Dass er Handschriften herausrückt, ist eher selten. Gezeigt werden übrigens nur fünf Originale auf einmal - nach ein paar Monaten müssen sie ausgetauscht werden und wieder für mehrere Jahre im Dunkeln ruhen.

Wittelsbacherjahr

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erstellt am 27.Aug.2013 | 07:51 Uhr

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