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Wirbel um einen umstrittenen Maler

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lübecker Museum zeigt „Erich Klahn. Ulenspiegel“ / Kritik entzündet sich an angeblicher Nähe des Künstlers zu den Nazis

Schwarz oder weiß, böse oder gut, Nazi oder Widerstandskämpfer? Dass die Welt nicht so einfach zu sortieren ist, demonstriert in diesen Tagen das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus – und sieht sich zugleich im Fokus einer erregten Debatte. Seit heute ist dort die Sonderausstellung „Erich Klahn. Ulenspiegel“ zu sehen – ein kuratorischer Kraftakt, im Vorfeld von heftigen Anwürfen begleitet. „Lübecker Museum zeigt NS-Künstler Klahn“, titelte beispielsweise der NDR. Wie belastet war der Maler?

Klahn ist nicht gerade ein Name, der zwingend ins Museum lockt. Der 1901 in Oldenburg geborene und 1978 in Celle gestorbene Maler ist nicht vielen ein Begriff, auch in Lübeck, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte, kennen ihn nur Kunstinteressierte. Der Wirbel um die Ausstellung dürfte das jetzt ändern. Museumschef Alexander Bastek war gewappnet, glücklich ist er dennoch nicht über Wucht und Tendenz der Aufmerksamkeit: Der Vorwurf der NSDAP-Mitgliedschaft Klahns und seiner Nähe zu den Nazis steht im Raum und der, dass das Museum Werk und Vita des Malers unkommentiert zeige. Ins Feld geführt wird die Klosterkammer Hannover, die ihre Trägerschaft für die Klahn-Stiftung aufgekündigt und darauf bestanden hatte, Werke Klahns entfernen zu lassen. In der Kritik stand schließlich auch Bastek. Er habe Werk und Maler unkommentiert präsentieren wollen.


Museumschef Basteck verteidigt die Ausstellung


Das weist der Museumschef weit von sich und zeigt auf den üppigen Text, der gleich zu Beginn der Schau die Sache mit der Partei-Mitgliedschaft erklärt. In die trat der 19-Jährige im Jahr 1921 ein; zwei Jahre später wurde die NSDAP verboten und 1925 neu gegründet. In diese neue Partei sei er jedoch niemals eingetreten, sagen Bastek und Klahns Tochter Liese Klahn-Albrecht. Wohl aber, so Bastek, sei Klahn ein Kind seiner Zeit und natürlich müsse seine Biografie kritisch befragt werden. Ob sich in seinem Werk aber Ideologisches Bahn bricht, das will Bastek die Besucher entscheiden lassen. Und für die gibt es viel zu entdecken: Über Jahrzehnte hinweg hat sich Erich Klahn mit dem Ulenspiegel-Roman des Belgiers Charles de Coster auseinandergesetzt, der im 19. Jahrhundert die norddeutsche Eulenspiegel-Saga ins Flandern des 16. Jahrhunderts transferierte. Im 80-jährigen Krieg der Niederländer gegen die Spanier wird das schelmenhafte Vorbild dort zur Widerstandsfigur gegen die Schreckensherrschaft spanischer Inquisitoren. Der Roman provoziert Klahn zu seinem Lebenswerk: 1312 Aquarelle fertigte er an, die meisten im Hochformat 17 mal 11 Zentimeter. 300 davon sind jetzt, ergänzt durch Gemälde, in Lübeck zu sehen.

Wer kommt, braucht Zeit. Idyllisches hat Klahn festgehalten, Trauriges, Grausames, auch Fragwürdiges. 1939 zeigt er Darstellungen von nackten Gefangenen, die von spanischen Soldaten durch den Schnee getrieben werden – eine Vision? Davor widmet er sich genüsslich dem Streich, den Ulenspiegel jüdischen Händlern spielt – eine Morgengabe für die Nazis? Und immer wieder wird die Freundschaft gewürdigt – Flucht ins Private oder Ideologie? Klar ist: Klahn war nie gefährdet, musste Deutschland nicht verlassen, durfte malen, wurde 1943 sogar mit dem Lübecker Emanuel-Geibel-Preis geehrt; Auszeichnungen dieser Art konnten nur mit Billigung der Nationalsozialisten vergeben werden. Klar ist auch: Klahn war sein Leben lang frei schaffender Maler, der den öffentlichen Kunstbetrieb gemieden hat; in seinem Werk ist vieles zu entdecken, beispielsweise ein Stil, der sich einer zeitlichen Einordnung zu entziehen scheint. Braune Soße tropft erkennbar nicht daraus.

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