"Wir sind nicht Bayreuth"

Christian Saalfrank.  Foto: lukas
Christian Saalfrank. Foto: lukas

Christian Saalfrank (41), neuer Chef der Sponsoren-Gesellschaft des Schleswig-Holstein Musik Festivals;, im Interview

shz.de von
30. Juni 2012, 03:59 Uhr

Lübeck | Vor einigen Jahren war Christian Saalfrank in der "Bild", weil seine Frau die RTL Super-Nanny Katharina Saalfrank ist. Aber das ist Schnee von gestern. Christian Saalfrank ist ein ebenso sympathischer wie souveräner Musikwissenschaftler, der seit diesem Frühjahr die Sponsorengesellschaft des Schleswig-HolsteinMusik Festival (SHMF) leitet. Der Berliner kannte das SHMF bisher nur aus der Ferne.

Herr Saalfrank, Sie haben nun mehr als Ihre ersten 100 Tage als Chef der SHMF-Sponsorengesellschaft hinter sich. Sind Sie angekommen in Lübeck?

Ja, ich habe eine Wohnung hier in der Altstadt und das ist sehr charmant. Allerdings bin ich viel unterwegs.

Ihre Familie ist aber noch in Berlin?

Ja, die ist noch dort. Wir haben das Problem, dass unsere Kinder nicht hier ins Schulsystem passen. Einer unserer Söhne hat zum Beispiel als zweite Fremdsprache Spanisch, das wird in Lübeck nicht angeboten.

Was haben Sie bisher vom kulturellen Angebot in Schleswig-Holstein wahr genommen?

An Abendveranstaltungen noch nichts weiter, aber ich habe viele Begegnungen mit Kunst- und Kulturschaffenden im Lande. Dabei interessiert mich, wo das Festival in dieser Kulturlandschaft steht, wo man anknüpfen kann.

Und, wo steht das Festival, wo kann man anknüpfen?

Es ist durch seine begrenzte Dauer von sieben Wochen im Jahr ein Solitär. Diese Eigenart schränkt die Anknüpfungspunkte an bestehende ganzjährige Kulturereignisse ein.

Sie kannten das Festival bisher nur vom Hörensagen, selbst erlebt haben Sie es noch nicht. Wie wird es nach Ihrer Einschätzung von Außen wahrgenommen?

Ich kenne das Festival in seinen Strukturen dadurch, dass ich sehr eng das Rheingau Musik Festival kennen gelernt habe. Dort hat man immer geschaut, was machen die in Schleswig-Holstein. Denn das SHMF war in den Anfängen das große Vorbild.

Welche Chancen hat das Produkt Schleswig-Holstein Musik Festival?

Ich glaube, dass SHMF ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, dass Sponsoring nicht nur funktioniert, sondern einen wesentlichen Beitrag zum Etat eines Festivals beitragen kann. Wir haben über 130 Sponsoren, die in ganz unterschiedlichen Größenordnungen aktiv sind.

Allerdings erbringen Ihre vier Hauptsponsoren rund 50 Prozent der Sponsorengelder. Ist das nicht ein Problem?

Nein, unsere Hauptsponsoren sind zum Glück sehr stabil.

Die Zahl der überregionalen Sponsoren ist eher bescheiden. Woran liegt das?

Also, zunächst muss ich klarstellen, dass wir zum Beispiel mit Audi und Eon zwei große und wichtige überregionale Haupt-Sponsoren für das Festival haben, die uns seit Jahren die Treue halten. Es ist aber auch ganz klar, dass das Festival nicht so ausgerichtet ist wie Bayreuth oder Salzburg. Wir wollen ein Festival für Schleswig-Holstein sein.

Bisher wurde aber auch gern vom Festival behauptet, dass es genau anders sei, nämlich, dass das SHMF den Tourismus befördert, also Gäste ins Land holt und nicht nur die Region mit einem erweiterten Kulturangebot beglückt.

Zu den Fakten: Wir haben wahnsinnig hohe Auslastungszahlen von 86 Prozent, davon 85 Prozent Besucher aus Norddeutschland. Aber: 15 Prozent unserer Besucher - und das sind über 20 000 - kommen aus dem Rest der Welt. Und: Wir sind stark in der Ansprache lokaler Sponsoren. Ich finde nicht, dass man zwingend überregionale Sponsoren finden muss.

Die auch alle stabil sind?

Ja, sehr stabil. Wir haben dort einen Wechsel von nur etwa 10 Prozent im Gesamtvolumen.

Nicht nur die Kultur, nicht nur das Festival will Geld von Sponsoren. Auch der Sport und soziale Einrichtungen und Initiativen brauchen Unterstützer. Sind das Ihre Konkurrenten?

Sport ist nicht so sehr unser Konkurrent, wohl aber das Sozialsponsoring. Die Übernahme sozialer Verantwortung in der Gesellschaft und das auch zu zeigen, spielt bei Unternehmen eine wachsende Rolle. Und das je näher man nach Hamburg kommt.

Fühlen Sie sich bei Ihrer Akquise als Bittsteller?

Nein, ich habe ein tolles Produkt. Das ist nicht Bittstellerei, wenn ich auf ein Unternehmen zugehe, sondern ein herausragendes Angebot, denn wir haben etwas zu bieten.

Kommt eigentlich auch der Fall vor, dass Unternehmen auf Sie zukommen, um sich als Sponsor zu bewerben?

Ja, denn wir sind für viele mit unserer Unternehmerinitiative Wirtschaft und Musik ein attraktives Netzwerk.

Ein Problem der Sponsoren ist, dass sie als solche kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, weil die meisten Medien sie in ihrer Berichterstattung ignorieren. Wie gehen Sie damit um?

Nun, da ist das Problem, dass über uns im Feuilleton berichtet wird und es von Seiten der Kultur-Journalisten große Hemmnisse gibt über Wirtschaft und wirtschaftliche Zusammenhänge zu berichten, weil es da vermeintliche Gegensätze gibt, die ich nicht sehe. Aber das ist eine Frage an Ihre Kollegen, die kann ich nicht beantworten.

Wenn die Subventionen des Landes eines Tages ganz wegfallen würden, wäre das Festival dank der Sponsorengelder überlebensfähig?

Das wäre dann sicher ein ganz anderes Festival. Wir würden versuchen müssen, zum Beispiel in Richtung Rheingau zu gehen, das heißt, noch klarer die Ausrichtung an dem, was Unternehmen möchten, noch klarer die Ausrichtung auf ausverkaufte Konzerte. Das hat natürlich alles inhaltliche Konsequenzen und würde unseren Markenkern irreversibel beschädigen.

Hätten Sie Angst vor dieser Situation?

Angst habe ich vor keiner Situation, es nur eine Frage des Auftrags. Das könnte man alles machen, nur ich finde es wichtig, dass das Festival auch noch andere Seiten zeigen kann.

Wie gehen Sie mit Wünschen der Sponsoren um, wenn es um das Programm geht? Wenn also einer Ihrer großen Sponsoren sich zum Beispiel Anne-Sophie Mutter wünscht?

No Go! Der Sponsor macht kein Programm. Die Debatte führen wir nicht. Natürlich gibt es im Land 1000 Intendanten, wie es im Lande eine Million Fußballtrainer gibt. Aber wir haben einen bestellten Trainer, der macht das Programm und sonst niemand!

Welche Musik hören Sie eigentlich persönlich gerne?

Oh, ganz viel im Bereich rein klassischer Musik. Also was meine Söhne so hören, da bin ich Null unterwegs.

Letzte sehr private Frage: Alle Welt weiß, mit wem Sie verheiratet sind. Werden Sie oft darauf angesprochen?

Ständig.

Nervt es?

Nein, wir können gut damit leben. Wir gehen damit sehr sportlich und gelöst um. Ich kenne meine Frau schon seit über 20 Jahre und davon war sie jetzt ein paar Jahre sehr populär. Das ist okay.

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