Reaktionen auf das Aus : "Wir sind enttäuscht"

Die Absicht der Stadtvertreter, die Förderung für die Festspiele zu kappen, um frischen Überlegungen zur Nutzung der Freilichtbühne Raum zu geben, weckt ein vielfältiges Echo.

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03. Januar 2011, 10:56 Uhr

Eutin | Dabei gerät die Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) unter Beschuss der FDP: Die Fraktion kritisiert das WVE-Konzept zur Fortführung von Festspielen als unausgegoren und kontraproduktiv für die Lösungssuche der Stadt.

Die FDP-Stadtvertreterin Gabriele Trepka formulierte die Kritik so: "Wir sind enttäuscht von der Wirtschaftsvereinigung, dass sie es durch ihr in unseren Augen nicht ausreichend durchdachtes Gegenangebot der Stadt als Geldgeber erschwert hat, sich auf die Planungen zu konzentrieren, die auf den noch vorhandenen Ressourcen basieren. Eine gemeinsame Trägerschaft von WVE und Stadt mit Josef Hussek, dessen weitere Arbeit für die Festspiele immerhin im Herbst noch Bedingung aller Fraktionen für die Gewährung des letzten Darlehens an die alte GmbH war, hätte sicher eine Bündelung mit Synergieeffekten ergeben."
"Herr Fallheier ist kein geeigneter Hoffnungsträger"
Das Konzept der WVE hat dagegen aus Sicht der FDP gravierende Schwächen. Es gebe der Stadt keine Einflussmöglichkeiten, nehme sie aber bei einem Scheitern wieder mit in die Verantwortung. Die Finanzierung erscheine überdies nicht gesichert - und dann missfällt den Liberalen auch noch die personelle Konstellation im WVE-Konzept. Trepka: "Herr Fallheier ist bei aller konzedierten künstlerischen Kompetenz kein geeigneter Hoffnungsträger für einen Neuanfang, da er bei den meisten Menschen in Eutin und Umgebung als Initiator der Veränderungen angesehen wird, die zu Kostensteigerungen, Zuschauerschwund und der Entfremdung der Festspiele von den Bürgern in der jüngsten Vergangenheit geführt haben."

Trepka machte aber deutlich, dass die FDP weiterhin für einen wirtschaftlich nachhaltig geplanten Spielbetrieb städtische Mittel befürworten würde. Sie vertraue dabei den Vorschlägen des bisherigen Festspiele-Geschäftsführers Hussek: "Er hat trotz scheinbar billigerer Alternativen immer im Auge behalten, dass die Kartenkäufer auch in Krisenzeiten der Oper ein gewisses Niveau erwarten." Allerdings sei es jetzt zu spät, mit Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg für eine Spielzeit 2011 noch in einen Kartenvorverkauf einzusteigen.
"Der WVE geht es nicht darum, die Festspiele zu retten"
"Nur deshalb haben wir einer Festspielpause für 2011 zugestimmt, werden uns aber weiterhin für die Neubelebung der Festspiele einsetzen", sagte die Stadtvertreterin.

Die Kritik der FDP am Vorgehen der WVE in Sachen Oper wird untermauert von einer Stellungnahme des Regisseurs Rainer Dettki, der seit 2006, erstmals engagiert von Jörg Fallheier, für drei Intendanten den künstlerischen Betrieb in der Opernscheune regelte. Er warf im Gespräch mit OHA dem WVE-Vorstand vor, in keiner Weise gesprächsbereit gewesen zu sein, um mit eigenem finanziellen Engagement das Konzept von Josef Hussek realisierungsreif zu machen.

Dettki: "Was Herr Hussek plant, ist in jeder Hinsicht absolut realistisch. Das kann man vom WVE-Konzept aber nicht sagen. Wenn man aber kooperieren würde, könnte etwas Gutes für Eutin entstehen. Doch die WVE hat jede Kooperation kategorisch abgelehnt. Damit ist für mich klar, dass es der WVE nicht darum geht, die Festspiele zu retten, sondern nur bestimmte Personen in Position zu bringen."
"Das wurde kontinuierlich von Besserwissern kaputt gemacht"
Der Theaterexperte warnte aber auch die Stadt davor, die Schwierigkeiten zu unterschätzen, die 2011 für eine Fremdnutzung der Freilichtbühne zu bewältigen seien. Unabhängig vom Insolvenzverfahren werde die Bühne nur mit erheblichem Aufwand für einige Gastspiele herzurichten sein. Das Vermieten solle sich niemand als Selbstgänger vorstellen. Der Verzicht auf die 61. Spielzeit im Schlossgarten werde beim Publikum zu einer schweren Belastung für jeglichen Neuanfang danach; den Vermietern und Betrieben in Eutin entgingen zudem beträchtliche Einnahmen.

Offen rechnete Dettki auch mit Fehlentscheidungen für die Festspiele seit 2006 ab: "Eutin hatte wunderbare Festspiele. Viele Leute haben da gerne für wenig Geld hochqualizierte Arbeit abgeliefert. Aber das wurde kontinuierlich von Besserwissern kaputt gemacht."

Nachdrücklich kritisierte er dabei die Amtszeit von Intendant Heinz-Dieter Sense, in der vieles schön geredet und mit der Auflösung der Kartenzentrale ein "Desaster" für die Arbeitsstruktur in der Opernscheune angerichtet worden sei. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Westphal bekam sein Fett weg: "Er war als Aufsichtsratsvorsitzender verantwortlich für die Planung und die Zahlen der Spielzeit 2010. Dann macht er sich im Juli aus dem Staub und stellt sich jetzt hin und sagt, lasst uns 2011 eine Pause machen. Das ist unseriös, dafür fehlt mir jedes Verständnis."

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