Norden-Festival : „Wir haben zu viel gewollt“

Manfred Pakusius ist begeistert vom Festival-Gelände am Ufer der Schlei. Der 55-Jährige betreibt in Hamburg eine Eventagentur und hat zum Beispiel lange das Kulturfestival „Altonale“ organisiert. Pakusius ist verheiratet und hat einen Sohn.
Manfred Pakusius ist begeistert vom Festival-Gelände am Ufer der Schlei. Der 55-Jährige betreibt in Hamburg eine Eventagentur und hat zum Beispiel lange das Kulturfestival „Altonale“ organisiert. Pakusius ist verheiratet und hat einen Sohn.

Eventmanager Manfred Pakusius über den schwierigen Start des Kulturfestivals „Norden“ und das begeisterungsfähige Schleswiger Publikum

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14. September 2018, 12:05 Uhr

An diesem Wochenende endet das erste Kulturfestival „Norden“ auf den Schleswiger Königswiesen. Veranstalter Manfred Pakusius zieht schon jetzt eine Bilanz und verspricht, dass es trotz der enttäuschenden Besucherzahlen im nächsten Jahr eine Neuauflage geben wird. Mit dem Hamburger Eventmanager sprach unser Redaktionsmitglied Alf Clasen.

Herr Pakusius, Ihre Veranstaltung geht in das dritte und letzte Wochenende. Wie ist das „Norden“-Festival bei den Menschen in Schleswig und der Region angekommen?

Unter den Schleswigern gibt es eine Gruppe von etwa 2000 Leuten, die unsere Dauergäste sind. Von denen bekommen wir als Rückmeldung, dass sie sich ein solches Festival wirklich gewünscht haben, dass sie sich bei uns wohlfühlen. Darunter sind viele junge Leute. In der Region ist das Festival leider noch nicht so angekommen. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Zum Beispiel?

Ich glaube, dass diese Breite, die das Festival ausstrahlt – also Kultur in Verbindung mit Aktivitäten – einfach noch erklärungsbedürftig ist. Die Leute brauchen diesen Moment, dass sie über die Fläche gehen und das Festival verstehen. Bei den Wikingertagen zum Beispiel kann sich jeder vorstellen, worum es geht. Beim „Norden“-Festival ist es viel schwieriger. Es ist ja auch viel, was wir machen.

Zu viel?

Wir haben fürs erste Jahr zu viel gewollt. Die Veranstaltungsfläche ist dadurch vielleicht ein Stück zu groß geworden.

Wie weit sind Sie unter der angepeilten Besucherzahl geblieben?

Wir hatten uns so um die 20 000 Besucher für das Fest gewünscht. Auf diese Zahl kommen wir nicht, das ist jetzt schon klar. Es ist aber nicht illusorisch, ein solches Ziel zu nennen. Und wir glauben auch, dass die Veranstaltung so viele Besucher verdient hätte.

Hatten Sie gedacht, dass es so schwierig sein wird, dieses Festival in Schleswig zu etablieren?

Nein. Aber ich wusste natürlich schon, dass es nicht einfach wird. Ich habe nicht geglaubt, dass wir gleich im ersten Jahr eine schwarze Zahl schreiben. Für wen es mir leid tut, das sind die Gastronomen. Die werden zu wenig frequentiert.

Aber die Programmpunkte kommen beim Publikum an?

Die Leute sind begeistert. Ich habe selten erlebt, dass ein Publikum so kulturinteressiert ist wie hier in Schleswig. Die Kulturveranstaltungen werden angenommen wie ’ne Eins. Ebenso die Aktivitäten. Und jeder Workshop funktioniert. Oder nehmen Sie zum Beispiel die Sauna. Als wir bei der Planung das erste Mal mit der Firma Röhling darüber gesprochen haben, haben wir uns angeguckt und gefragt: „Wird das überhaupt einer machen?“ Und was ist? Die Sauna läuft jeden Tag! Es sind so um die 20 Leute, die sie pro Tag nutzen.

Trotzdem wollen Sie im nächsten Jahr wieder ein „Norden“-Festival veranstalten. Was treibt Sie an?

Es geht weiter, weil wir das gerne machen. Ich habe noch nie ein so schönes Fest gemacht. Jeden Tag kommen viele Leute zu mir und bedanken sich.

Aber Sie müssen doch mit dem Festival auch Geld verdienen oder etwa nicht?

Doch, aber ich habe in meinem Leben auch schon Geld verdient und mir etwas zurückgelegt. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich bin nicht als Millionär nach Schleswig gekommen – ich fahre einen alten T4, lebe in einer kleinen Eigentumswohnung in Hamburg und meine Frau muss als Lehrerin auch noch arbeiten.

Welches Ziel haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Wir müssen jetzt analysieren, warum wir in der Region zu wenig Leute erreicht haben. In Zukunft wünschen wir uns zum Beispiel eine Kooperation mit Gottorf und Haithabu, um zusammen Pakete anbieten zu können. Wir haben einen Fünf-Jahres-Vertrag mit der Stadt. Nächstes Jahr wollen wir zumindest schon mal die schwarze Null in Reichweite sehen. So ein Fest ist nun mal teuer. Wir machen ja kein Stadtfest, sondern ein internationales Festival. Das wird irgendwann ankommen, Qualität setzt sich durch.

Das heißt, die Sauna wird bleiben?

Die wird bleiben. Es gibt nicht so viele Festivals mit einer Sauna. Wir bieten eben nicht nur populäre Bands, sondern auch eine Nischenkultur. Alles zusammen macht es aus.

Jetzt steht noch das letzte Wochenende an. Was ist da für Sie persönlich das Highlight?

Gerade dieser Freitag ist ein toller Tag. Da spielt „Carnival Youth“ aus Lettland – eine sehr melodische Popband. Und aus Estland kommt „The Notes“. Es ist das erste Mal, dass Das ist eine junge Band, echte Teenie-Stars. Und das Tolle ist: Die denken, Schleswig ist Deutschland. Und zum Finale am Sonntag kommt dann noch ein echter Kracher: „Von Dü“ aus Dänemark.

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