Ausstellung zum Weltkriegsende : Werke von Kollwitz im Haus Doorn bei Utrecht

Prinzessin Beatrix der Niederlande sieht sich im Haus Doorn die Ausstellung «Verzet en Verdriet in Beeld» an.  
Prinzessin Beatrix der Niederlande sieht sich im Haus Doorn die Ausstellung «Verzet en Verdriet in Beeld» an.  

Wilhelm II. schmückte seinen letzten Wohnsitz mit Gemälden und Skulpturen. Er liebte barocke Kunst. Werke von Käthe Kollwitz hätte er niemals über die Schwelle gelassen.

shz.de von
25. August 2018, 11:42 Uhr

Deutschlands letzter Kaiser hat ihre Kunst verachtet. Um so passender erscheint ein ungewöhnlicher Ausstellungsort für Werke von Käthe Kollwitz:

Im Haus Doorn bei Utrecht, wo Wilhelm II. nach dem vor 100 Jahren beendeten Ersten Weltkrieg Zuflucht fand, werden von diesem Samstag an bis Anfang 2019 einige ihrer wichtigsten Zeichnungen und Plastiken gezeigt.

Sie sind Teil einer Ausstellung von Werken, in denen sich niederländische und deutsche Künstler mit dem Kriegsgrauen auseinandergesetzt haben, unter ihnen Ernst Barlach sowie Mari Andriessen und John Rädecker. Feierlich eröffnet wurde die Schau «Verzet en Verdriet in Beeld» (etwa: Widerstand und Leid in Bildender Kunst) mit rund 60 Skulpturen und Zeichnungen am Freitag von Prinzessin Beatrix. Die 80 Jahre alte frühere Königin der Niederlande ist selbst eine begeisterte Hobby-Bildhauerin.

Auf Werke von Kollwitz - darunter ihre Plastik «Mutter mit totem Sohn» (auch «Pietà» genannt) - hat Kurator Cornelis van der Bas angesichts der Ablehnung dieser Künstlerin durch den einstigen Kaiser besonderes Augenmerk gerichtet. Im Haus Doorn werde Kollwitz «in der Höhle des Löwen» präsentiert. «Sie war sozialistisch engagiert und sie zeigte offen die Armut», sagte er der niederländischen Nachrichtenagentur ANP.

Van der Bas verwies darauf, dass der Kaiser 1897 persönlich intervenierte, als Kollwitz für ihren Grafikzyklus «Ein Weberaufstand» auf der «Großen Berliner Kunstausstellung» mit einer Medaille geehrt werden sollte. Der zur Abdankung gezwungene Wilhelm II. floh am Ende des Ersten Weltkrieges in die Niederlande, wo ihm Königin Wilhelmina - die Großmutter der späteren Königin Beatrix - Asyl gewährte. Von 1920 bis zu seinem Tod 1941 lebte der Ex-Kaiser in Haus Doorn, auf dem Grundstück wurde er auch begraben.

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