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Kulturinterventionen : Wenn Künstler Unternehmen beraten

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Scrabble, Playmobil und Sonnenschutz: Das Projekt „Unternehmen!KulturWirtschaft“ setzt auf ungewöhnliche Mittel. Künstler kommen in Unternehmen – ein neuer Markt für die Kulturschaffenden.

von
erstellt am 20.Apr.2015 | 11:24 Uhr

Neue Wege gehen. Einmal die Perspektive ändern. Das Miteinander und die Produktivität verbessern. Um diese Prozesse in Gang zu setzen, kann ein Unternehmen einen Berater engagieren. Oder sich mit Hilfe des Projektes „Unternehmen!KulturWirtschaft“ einen Künstler ins Haus holen. Was dann wie ein Durcheinander wirkt, entpuppt sich als wohlorganisierter kreativer Prozess.

So wie in den Räumen der „Kiel Region“ im Wissenschaftspark der Landeshauptstadt. Auf dem Tisch stehen Gläser mit bunten Kugelschreibern neben Schalen mit Weingummi. Ein Kasten mit Scrabble-Buchstaben, Playmobil-Männchen, Sonnenschutz-Mittel und zahlreiche andere Accessoires warten darauf, schöpferisch genutzt zu werden. Skeptisch und zurückhaltend schauen sich die Seminarteilnehmer um. Doch die Kieler Künstlerin Chili M. Seitz ist optimistisch: „Am Ende sind alle ganz beflügelt.“

Als Vermittler zwischen Künstlern und Unternehmen agieren Lena Mäusezahl und ihr Team. Sie schauen, welche Kreativen zu welchen Firmen passen, überprüfen, ob die Chemie stimmt, begleiten den gesamten Prozess. Träger von „Unternehmen! KulturWirtschaft“ ist das Rendsburger Nordkolleg. 2013 wurde das Projekt initiiert, bis Juli dieses Jahres gibt es finanzielle Unterstützung durch das Land. „Wir wollen damit einen Markt schaffen“, erklärt Lena Mäusezahl die Intention, „wollen künstlerische Kompetenzen und Kreativität in traditionelle Unternehmen einbringen“. Dadurch werden neue Aufgabengebiete für Künstler erschlossen.

Die erste Runde im Jahr 2014 erbrachte bereits positive Ergebnisse. Da hatten beispielsweise die Comic-Zeichner Tim Eckhorst und Gregor Hinz von der Kieler Künstleragentur „Pure Fruit“ gemeinsam mit Mitarbeitern der Getreide AG in Rendsburg eine bunte Landkarte gezeichnet, darauf die Standorte des Unternehmens. Das Ziel: Die Mitarbeiter aus ganz Deutschland besser miteinander zu vernetzen. Arbeiten mit dem Zeichenstift – damit taten sich Herren aus der Führungsriege anfangs schwer. Ähnlich ist es im Wissenschaftspark. „Wie soll ich Kunst im Straßenbau verwenden?“, fragt sich Heinrich Broja, Straßen- und Verkehrsingenieur beim Kreis Plön, zweifelnd.

Janet Sönnichsen, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Kiel Region“ hat Vertreter der verschiedenen Mitgliedsorganisationen ihrer Gesellschaft eingeladen. „Jeder hat seinen Kirchturm“, sagt sie. Von der „künstlerischen Intervention“ – so die Bezeichnung der Aktion – erhofft sie sich eine bessere Zusammenarbeit. Chili M. Seitz hat Erfahrung mit Konzeptkunst, allerdings bisher nur mit Schülern der Muthesius-Kunsthochschule, an der sie auch studiert hat. Hier hat die Künstlerin es mit Kunstlaien zu tun, mit kaufmännischen Mitarbeitern, Verwaltungsangestellten, Tourismusmanagern. „Für mich ist das total neu. Wir sprechen unterschiedliche Sprachen“, stellt einer von ihnen fest – um dann doch beherzt zum Filzstift zu greifen und den Begriff „Kaputter Regenschirm“ in großen Lettern auf eine Papierfahne zu malen.

Beim Brainstroming sollten Begriffe gefunden werden, die die Kiel Region definieren, und die durften gerne absurd sein, damit die Teilnehmer auch mal um die Ecke denken. „Der kaputte Regenschirm steht stellvertretend für Sturm“, erklärt Chili M. Seitz. Die Begriffe werden dann mit Hilfe der bunten Accessoire-Sammlung in Szene gesetzt. Es wird miteinander geredet und gelacht. Am Ende soll ein Heft entstehen, das ein repräsentatives Bild des Unternehmens vermittelt, so die Künstlerin.

Das Konzept für jedes Unternehmen ist maßgeschneidert, betont Lena Mäusezahl. Schließlich sind die Ziele auch unterschiedlich. Bei der Firma Kreyenberg aus Norderstedt, die Präzisionsinstrumente herstellt, mussten die Künstlerinnen Dany Heck und Christiane Limper andere Wege finden, um die Mitarbeiter anzusprechen. Bei „Haus & Grund“ in Kiel konzipierten und drehten die Mitarbeiter einen hauseigenen Film, um den Teamgeist zu stärken. Außerdem gehe es darum, nachhaltig Impulse im Unternehmen zu setzen, erklärt die Projektleiterin, die optimistisch in die Zukunft blickt. „Wir haben den Eindruck, dass wir den Zahn der Zeit getroffen haben.“ Deutschlandweit sei die Resonanz auf das Projekt groß. „Wir sind davon überzeugt, dass sich das Projekt langfristig selbst tragen kann“, sagt Lena Mäusezahl.

Kulturinterventionen

Am 10. und 11. Juni feierlicher Projektabschluss und interaktive Konferenz am Nordkolleg (Anmeldung bis 27.5.)

Im Internet: www.unternehmenkulturwirtschaft.de und auf Facebook.

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